Doch keine schwule Fahnenflucht II

Mit Richtigstellungen und Korrekturen hat es „Bild“ nicht so: Erweist sich ein Artikel als so offensichtlich falsch, dass man ihn eigentlich korrigieren müsste, wird einfach die Wirklichkeit so zurechtgebogen, bis alles wieder stimmt, irgendwie.

Und nachdem „Bild“-Hamburg gestern (wie berichtet) fälschlicherweise behauptet hatte, am Hamburger Rathaus werde eine zum CSD gehisste Regenbogenfahne zeitweilig eingeholt, damit sie auf (Hetero-)Hochzeitsfotos nicht, äh, störe, berichtet „Bild“-Hamburg heute wieder:

Schwulen-Flagge durchgehend am Rathaus - Ob das den Hochzeitspaaren gefallen wird? Die Stadt hat jetzt doch entschieden, anlässlich des Christopher-Street-Days die Rgenbogenflagge durchgängig am Rathaus vom 31. Juli bis zum 3. August aufzuhängen. Farid Müller, schwulen- und lesbenpolitischer Sprecher der GAL: “Es zeigt, dass Senat und Bürgerschaft Hamburg als eine weltoffene Stadt sehen.”

Das „jetzt doch“ klingt, als habe die Stadt überraschend (und gegen die Stimmungsmache des „Bild“-Artikels) entschieden, die Fahne durchgängig hängen zu lassen. Dabei stand das die ganze Zeit fest.

Und die Frage „Ob das den Hochzeitspaaren gefallen wird?“ ist natürlich eine rhetorische, denn wie man uns in Rathaus und Standesamt sagte, hat der „Bild“-Zeitung noch immer kein einziges Hochzeitspaar den Gefallen getan, sich über die Regenbogenfahne zu beschweren.

Immerhin kann „Bild“ heute ganz nebenbei das Datum korrigieren, das in der gestrigen Bildunterschrift mit „24. Juli“ angegeben war.

Zudem ist Farid Müller heute sogar korrekt zitiert – sein Satz stammt aus seiner gestrigen Pressemitteilung zum Thema. Die gestern von „Bild“ zitierte Äußerung, wonach Müller das mutmaßliche kurzfristige Einholen der Fahne als „praktikable Lösung“ bezeichnet haben soll, hatte er nämlich so nie getätigt, wie er auch auf unsere Nachfrage noch einmal bestätigte.