Horror-Keime, Versuchungen, Enzensberger

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „EHEC – nix gelernt“
(zapp.blog.ndr.de, Zapp Redaktion)
EHEC als „Horror-Keime“, „Killer-Keime“ und „Gefährliche Bakterien“. Für die Zapp-Redaktion wiederholt sich die Geschichte mit der Angst, „nicht genauso, aber ähnlich“: „Von wegen Sex sells – Angst sells.“

2. „Nun also doch EHEC“
(blog.tagesschau.de, Kai Gniffke)
„Tagesschau“-Chefredakteur Kai Gniffke bloggt erneut zu EHEC. Anfang und Schluß des Beitrags lauten so: „Gestern habe ich hier ausführlich begründet, warum wir in der 20Uhr nicht mit EHEC aufgemacht haben. Seither hat es keine weiteren bestätigten Todesfälle gegeben und auch die Fallzahlen sind nicht dramatisch gestiegen. Trotzdem war EHEC heute auf Platz 1 in der Tagesschau. (…) Ich werde schon in wenigen Wochen sicher wieder auf irgendeinem Podium eines Medienkongresses sitzen und darüber diskutieren, dass die Medien bei EHEC (oder war es SARS oder H2N1?) mal wieder übertrieben haben.“

3. „Gruselkeim statt Kernschmelze!“
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
„Dreifache Kernschmelze in Fukushima? Nimmt man mal so mit, weil man im Journalistensprech sagen würde: Hatten wir schon. Hatten wir oft genug. Will keiner mehr lesen. Dagegen: Ein neuer, unheimlicher, gruseliger Killerkeim? Dem bereits eine 83jährige Frau zum Opfer gefallen ist? Endlich was neues, nachdem Rinderwahn, Schweinegrippe, Vogelgrippe und all die anderen unheimlichen Epidemien durch sind und nicht mal mehr Berufshysterikern Angst machen.“

4. „Die alltägliche Versuchung“
(ankommen.nordbayerischer-kurier.de, jbraun)
Joachim Braun, Chefredakteur des „Nordbayerischen Kuriers“, wird ein „Wagner-Wochenende in Bayreuth“ angeboten: „Anreise per Flugzeug oder im Testwagen, Übernachtung in einem Luxushotel ein paar Kilometer außerhalb der Stadt, eine Ehrenkarte für die Bayreuther Festspiele – ja, richtig, Normalsterbliche müssen dafür zehn Jahre anstehen. Dazu eine persönliche Einweisung in Wagner und der Transfer von zu Hause nach Bayreuth, vom Hotel zum Grünen Hügel – natürlich – wieder im Testwagen, und das alles mit Partner oder Partnerin.“

5. „Wieviel Schleichwerbung passt in eine einzige Tageszeitung?“
(kobuk.at, Alex Calanducci)
Redaktionelle Inhalte und die dazu passende Werbung in der Tageszeitung „Österreich“.

6. „Die Sprache des Spiegel“
(spiegel.de, Hans Magnus Enzensberger, 1957)
Meedia.de erinnert an einen Essay von Hans Magnus Enzensberger in der „Spiegel“-Ausgabe 10/1957 („mit dessen Einverständnis hier eine unwesentlich gekürzte Fassung“): „Objektivität ist ein Kriterium, das auf die Story schlechterdings nicht anwendbar ist. Maßgebend für das Gelingen einer Story ist einzig und allein ihr Effekt.“