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Steinzeitjournalismus

Die brasilianische Indianerbehörde FUNAI hat unlängst einige Fotos einer Indianergruppe im brasilianischen Amazonasgebiet öffentlich gemacht. Und „Bild“?

„ERKLÄRT DAS GEHEIMNISVOLLE DSCHUNGEL-VOLK“, was sonst?

"Die Urwald-Männer zähmen Spinnen"

Und ja, es ist wohl wirklich die „Bild“-Zeitung, die da am Samstag das Dschungel-Volk „erklärt“ hat – auch wenn das Blatt selbst einen anderen Eindruck erweckte und sich gleich mehrfach auf „Dr. Jochen Schulz (50) von der Universität Leipzig“ berief.

Schulz jedoch ist (wir kennen das) mit der Darstellung nicht besonders glücklich. Wie uns der Ethnologe auf Nachfrage sagt, handele es sich bei dem „Bild“-Artikel „um keine adäquate Darstellung“ — zumal die „Bild“-Autoren „sehr viel dazugedichtet“ hätten.

Dazugedichtet? Tatsächlich finden sich – zwischen zwei offenbar halbwegs korrekt wiedergegebenen Schulz-O-Tönen – zum Beispiel ganz nebenbei auch die Spinnen aus der Überschrift wieder:

Zudem halten sie [die Indios] sich Jagdhunde, zahme Vögel und sogar Vogelspinnen.

Von ihm, so Schulz, stamme diese Erklärung nicht. Ganz abgesehen davon, dass selbst die FUNAI betont, „eigentlich sonst nichts von diesen Indios“ zu wissen, ist dem Experten nach eigenem Bekunden insbesondere von gezähmten Spinnen als Indio-Haustieren schlichtweg „nichts bekannt“. Und eine Quelle für die offenbar ganz und gar abwegige Behauptung gibt „Bild“ nicht an.

Auf die Frage von „Bild“, mit welcher Kulturstufe das Leben der Indianergruppe zu vergleichen sei, habe Schulz übrigens davor gewarnt, „um Gottes willen nicht mit Begriffen wie ‚Steinzeit‘ zu operieren“ – mit, nun ja, mäßigem Erfolg:

"Steinzeit-Menschen entdeckt!"

Mit Dank auch an Dominic I.