Der Schock-Therapeut

Am Sonntag veröffentlichten „BamS“ und Bild.de (wie berichtet) ein Foto, das ein verhungertes fünfjähriges Mädchen zeigt, wie es nackt und tot auf einem Obduktionstisch liegt. Unter der Überschrift „Die Akte des Grauens“ steht der Name Bastian Schlüter und unter dem „Schock-Foto“ („BamS“) der Name von Schlüters Agentur.

Seit im Herbst vergangenen Jahres in einem Mietshaus die fünfjährige Lea-Sophie verhungert aufgefunden wurde, taucht in den „Bild“-Berichten dazu auch Schlüters Name auf — sogar schon am 22.11.2007, als „Bild“ erstmals groß über den Fall berichtete und zu einem von Schlüter beschafften Privatfoto des Mädchens schrieb:

So süß, so unschuldig: Lea-Sophie († 5),
fotografiert von ihrer Oma

Woher aber das Obduktionstisch-Foto in der gestrigen „Bild am Sonntag“ stammt, behielt die „BamS“ für sich. Und auch Schlüter selbst, der seit vielen Jahren für „Bild“ arbeitet (siehe Kasten), will uns dazu auf Nachfrage nichts sagen. Er beruft sich dabei auf den Informantenschutz (was ihm nicht vorzuwerfen ist).

„Bild“-Artikel, an denen Bastian Schlüter beteiligt war (Auswahl)

  • „Horror-Eltern ließen Tochter (4) Kalkreiniger trinken“
    (19.6.2006)
  • „Verhungert! Benjamin lag sieben Monate in dieser Mülltonne“
    (5.3.2006)
  • „Chaos-Junge (14) tötet seinen Erzieher mit Bolzenschussgerät“
    (12.2.2004)
  • „Mann schlug Frau mit Katze — Mieze tot!“
    (29.7.2003)
  • „Ich war die Geliebte des Ofen-Mörders“
    (1.6.2002)
  • „Hier weint Jennifers Mutter um ihre ermordete Tochter“
    (4.10.2002)

Auf offiziellem Wege aber hat er das Foto nicht bekommen: Wie uns ein Sprecher des zuständigen Schweriner Gerichts mitteilt, könne das Foto zwar „dem äußeren Anschein nach aus einem Sammelband der Ermittlungsakte stammen“ — vom Gericht sei es jedoch nicht herausgegeben worden. Und auch die Staatsanwaltschaft und der Anwalt der Mutter des toten Kindes bestreiten, das Foto weitergereicht zu haben.

Was unsere Empörung über die Veröffentlichung des offenbar unbefugt beschafften Foto in der „BamS“ anbelangt, hält Schlüter das Herzeigen des nackten, toten Kinderleichnams zwar für „grenzwertig“, will darin aber vor allem ein sinnvolles Mittel gegen die Teilnahmslosigkeit der Gesellschaft erkennen. Erst heute noch habe er den ehemaligen Nachbarn von Lea-Sophie, als er bei Recherchen für einen TV-Beitrag ihr Desinteresse bemerkte, das „Schock-Foto“ gezeigt.