„Bild“ sprach zuerst mit den Hoden

Kurz und pointiert hat der britische Hausarzt Keith Hopcroft kürzlich für die britische Zeitung „Times“ zusammengefasst, welche Symptome denn tatsächlich auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen und welche wir häufig nur überinterpretieren.

In „Bild“ geht’s sogar noch kürzer. Dort wurde gestern aus Hopcrofts „Top 10 der Krankheitsängste“ hopplahopp eine „Top 10 der häufigsten Hypochonder-Krankheiten“, die bei Herzinfarkt, Thrombose & Co zwischen „Hypochonder-Symptomen“ und „ernsthaften Symptomen“ zu unterscheiden versucht.

Und plötzlich ist alles ganz easy: Sie müssen bloß „harmlose Brustschmerzen“ („Hypochonder-Symptom“) nicht mit „plötzlichem Brustschmerz“ („ernsthaftes Symptom“) verwechseln. Oder „Wadenschmerzen“ („Hypochonder-Symptom“) von „stärker werdendem Wadenschmerz“ („ernsthaftes Symptom“) unterscheiden. Und wenn Sie Panik haben, dass ihre Leberflecken möglicherweise dunkler und größer werden, haben Sie entweder „Panik bei Leberflecken“ („Hypochonder-Symptom“) oder bloß „dunkler oder größer werdende Leberflecken“ („ernsthaftes Symptom“).

Zum Thema Hodenkrebs aber hat „Bild“ sich sogar in Biotope jenseits der Unbrauchbarkeit begeben – und unterscheidet zwischen „Hodenschwellung“ („Hypochonder-Symptom“) und „geschwollenen Hoden“ („ernsthaftes Symptom“), was nicht nur Unsinn ist, sondern offenbar auch falsch: Hopcroft selbst betonte in der „Times“, dass Auffälligkeiten in den Hoden unverzüglich vom Hausarzt untersucht werden müssen, auch wenn sie sich meistens als harmlos herausstellen.

Doch wer zu Risiken und Nebenwirkungen die „Bild“-Zeitung befragt, sollte sich ohnehin schnellstmöglich an seinen Arzt oder Apotheker wenden.

Mit Dank an Alexander T.