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Besoffenheitsjournalismus (2)

Alle Jahre wieder wird „Bild“ zur meistzitierten Tageszeitung Deutschlands erklärt. Das hat nur bedingt mit Qualität zu tun und liegt unter anderem daran, dass „Bild“ schneller als andere Medien ungeprüfte Informationen als Tatsachen ausgibt.

Als etwa am Rosenmontag in Bonn ein Fahrzeug vom obersten Deck eines Parkhauses stürzte, glaubt „Bild“ schon bald darauf zu wissen:

Beifahrer (19) tot 16-Jährige raste betrunken vom Parkhaus

Und im Text heißt es:

Nach BILD-Informationen waren beide Jugendlichen betrunken.

Davon, dass die beiden Jugendlichen betrunken gewesen sein sollen, berichteten dann auch die Bonner Lokalzeitung „General-Anzeiger“ und das Nachrichtenportal von t-online — beide unter Berufung auf „Bild“.

Wie zuverlässig „BILD-Informationen“ letztlich sind, zeigte sich einen Tag später, als sich Fred Apostel, der Sprecher der Staatsanwaltschaft, gegenüber der „Rhein-Zeitung“ zu dem Unglück äußerte:

Spekulationen einer Boulevardzeitung, wonach die Fahrerin nach Informationen des Blattes betrunken unterwegs gewesen ist, widersprach Apostel energisch: „Das jetzt vorliegende Ergebnis der Blutprobe sagt eindeutig, dass das Mädchen mit 0,0 Promille voll nüchtern war.“

Vielleicht wäre „Bild“ nicht mehr die meistzitierte Tageszeitung, wenn andere Medien darauf verzichteten, genau solche „Spekulationen einer Boulevardzeitung“ weiterzuverbreiten.

Mit Dank an Tobias G.