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„Bild“ erleidet schweren Info-Rückfall

Peter Sawicki ist nicht bei allen beliebt. Insbesondere die Pharmaindustrie ist offenbar gar nicht gut auf ihn zu sprechen. Denn Sawicki untersucht als Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Medikamente und Behandlungsmethoden auf ihren tatsächlichen Nutzen. Und auch in der Diskussion um Ärztepfusch hat Sawicki sich offenbar nicht nur Freunde gemacht. Denn er gehört zu den 17 Ärzten, Therapeuten, Krankenschwestern und Pflegern, die sich Ende Februar zu eigenen Behandlungsfehlern bekannten (auch „Bild“ berichtete groß darüber). In der Ärzteschaft war anschließend von „Nestbeschmutzung“ und „Tabubruch“ die Rede.

„Bild“ berichtet heute allerdings etwas ganz anderes über Sawicki:

Es ist nicht so, dass es diesen „internen Prüfbericht“, aus dem „Bild“ zitiert, nicht geben würde. Auch zitiert „Bild“ ihn korrekt, wie man uns beim zuständigen IKK-Bundesverband bestätigt. Und dennoch ist die Meldung, vorsichtig ausgedrückt, grob irreführend.

Denn der Prüfbericht, „der BILD vorliegt“, wie Autor Hanno Kautz vielsagend schreibt, ist nicht neu. Die Prüfung, um die es geht, begann im Dezember 2007 und ist abgeschlossen. Bereits Mitte Februar präsentierte der IQWiG-Vorstand in einer Pressekonferenz die Ergebnisse. Das „Ärzteblatt“ schrieb damals:

Einen Schlussstrich unter die „IQWiG-Affäre“ hat dessen Vorstand gezogen. (…) Der Leiter des IQWiG, Prof. Dr. med. Peter T. Sawicki, wurde wegen formaler Fehler ermahnt. Gleichzeitig sprach ihm der Vorstand aber sein Vertrauen aus. Denn eine persönliche Vorteilsnahme sei nicht festzustellen.

Und die „taz“ schrieb unter der Überschrift „Freispruch für Pharmakontrolleur“:

Der Pharmakontrolleur Peter Sawicki ist rehabilitiert. Der Vorwurf der Vetternwirtschaft ließ sich nicht beweisen. Er beging nur „formale“ Fehler.

Warum „Bild“ den Prüfbericht einen Monat später noch einmal hervorkramt, den Eindruck erweckt, es handele sich um ein laufendes Verfahren, und meint, Sawicki „hat ein Problem“, wissen wir nicht. Ein Sprecher des IKK sagt uns, das, was heute in „Bild“ stehe, sei im Prinzip der Stand, der „am 11. Februar den Journalisten mitgeteilt“ wurde. Aber: Für das IQWiG sei der Fall abgeschlossen, Sawicki habe keine negativen Folgen zu erwarten. Der „Bild“-Autor Hanno Kautz, mit dem er gesprochen habe, hätte ihm allerdings gesagt, er habe den Eindruck, „die Zahlen seien neu“.

Möglich. Die Meldung erweckt allerdings seltsamerweise den Eindruck, als sei Kautz, „der als früherer Redakteur der Ärztezeitung durchaus Detailkenntnisse im Gesundheitswesen aufweist“, der gesamte Vorgang irgendwie neu.

Mit Dank an A. W. für den sachdienlichen Hinweis.