Germany’s Next Toplessmodel

Irgendwas ist ja immer.

Gestern zum Beispiel machte die „Bild“-Zeitung mit dem „Geständnis“ des ehemaligen Arbeitsministers Walter Riester auf, dass er in seiner Zeit als Fliesenleger auch mal schwarz gearbeitet habe. Riester war zwischen 1957 und 1969 Fliesenleger.

Heute macht die „Bild“-Zeitung mit dem „Nackt-Skandal“ auf, der die ProSieben-Show „Germany’s Next Topmodel“ erschüttere. Eine der Kandidatinnen hatte vor einem Jahr Akt-Fotos von sich anfertigen lassen, die im „Penthouse“ veröffentlicht wurden, das im Teilnehmer-Fragebogen der Fernsehshow aber nicht angegeben.

Und um die Frage, „Wird Model Aline jetzt gefeuert“, die „Bild“ auf dem Titel stellt und im Artikel in mehreren Variationen wiederholt, schnell zu beantworten: Nein, Model Aline wird jetzt nicht gefeuert. Oder in den Worten von Moderatorin Heidi Klum in der Sendung gestern: „Es ist nicht so, dass du jetzt gehen musst.“

„Bild“ spricht von einem „schlüpfrigen Geheimnis“, das Aline verschwiegen habe und von „eindeutigen Sex-Posen“. Was „Bild“ nicht erwähnt: Wo „Germanys Next Topmodel“ im Internet auf diese beinahe pornografisch klingenden Fotos stieß. In der Sendung selbst konnte man es erahnen:

Richtig: Auf Bild.de. Als Teil der großen Bild.de-Wahl zum „Penthouse Girl 2008“. Der Skandal, wenn es denn einen gibt, besteht allein darin, dass die Kandidatin die Existenz solcher Fotos geleugnet hatte.

(Die „Bild“-Schwesterzeitung „B.Z.“ übrigens berichtete unter der Überschrift „Vernackten die Sexfotos Aline den Sieg bei Heidi?“ gestern schon über die Fotos — mit ausdrücklichem Verweis auf Bild.de als Ort der Veröffentlichung. Online ist der „B.Z.“-Artikel inzwischen aus unbekannten Gründen gelöscht.)

Der heutige „Bild“-Artikel endet mit den Worten:

Eine Lüge, die Folgen haben könnte.

Nein: Eine Lüge, die Folgen hat. Denn die skandalösen Fotos, von denen Aline im Nachhinein sagt, sie wollte, dass sie niemand sieht, können dank der gemeinsamen Scheinheiligkeit von Heidi Klum, ProSieben und „Bild“ heute elfeinhalb Millionen „Bild“-Leser sehen, eines davon im beeindruckenden Maßstab von fast 1:5.