Mobiles Korrekturkommando im Einsatz

Die Berliner Polizei hat am vergangenen Montag zwei Verdächtige bis nach Hamburg verfolgt, die dort offenbar plötzlich und unerwartet eine Postfiliale überfielen. Sie waren bewaffnet und bedrohten die Filialleiterin. Die Polizei ließ die Täter gewähren, griff erst kurz vor Berlin zu, nahm die Täter fest und stellte offenbar auch das geraubte Geld sicher.

Ende gut, alles gut? Nicht für die „Bild“-Zeitung. Die dokumentierte gestern auf einer knappen Seite (siehe Ausriss) die „Fehler der Pannen-Observation“ und schrieb:

Die Täter stoppten ihren Mercedes vor der Post in Altona. (…) Die Beamten hätten jetzt, spätestens aber beim Auframmen der Glastür zuschlagen müssen.

Wir sind keine Polizisten. Schon gar nicht gehören wir zur Abteilung für organisierte sowie qualifizierte Banden- und Eigentumskriminalität oder zum Mobilen Einsatzkommando der Berliner Polizei. Insofern können wir nicht beurteilen, ob die „Bild“-Zeitung in ihrer Gefahreneinschätzung richtig lag, als sie gestern über das vermeintliche Versagen der „Berliner Elite-Einheit“ berichtete. In einem nicht ganz unwesentlichen Punkt lag „Bild“ aber offenbar falsch:

Die Mercedes-Limousine [der Verdächtigen] ist verwanzt, mit einem GPS-Sender ausgestattet. Die Beamten können problemlos folgen, alle Gespräche im Auto mit anhören.

(…)

Die Ermittler hörten die Gespräche der Räuber mit der Wanze im Auto ab. Trotzdem griffen sie nicht ein.

Auf der Mauer, auf der Lauer

„Mit Nachdruck weist der Leiter der Abteilung für organisierte sowie qualifizierte Banden- und Eigentumskriminalität Bernd Finger die in der BILD-Zeitung erhobene Kritik an einem ’skandalösen Polizeieinsatz‘ der Berliner Polizei in Hamburg zurück. ‚Nicht der Einsatz als solches ist zu kritisieren, sondern diese Berichterstattung‘ (…). Entgegen der Berichterstattung einiger Zeitungen war das Fahrzeug der Verdächtigen nicht ‚verwanzt‘, d.h. ein Mithören der Gespräche war den Ermittlern unmöglich.“

Dass das nicht zutrifft, lässt sich zum einen einer Pressemitteilung der Polizei entnehmen (siehe Kasten).

Zum anderen schreibt „Bild“ heute lediglich:

Berliner Polizisten verfolgten sie, hatten Peilsender am Auto angebracht.

Davon, dass das Auto verwanzt gewesen sei, ist in „Bild“ heute indes keine Rede mehr.

Mit Dank an Götz N. und Jason für den sachdienlichen Hinweis.