Bei „Bild“ hakt’s noch

Es ist ja nichts dagegen zu sagen, dass „Bild“ sich angesichts eines Beinahe-Absturzes auf dem Hamburger Flughafen Fuhlsbüttel heute noch einmal damit beschäftigt: „BILD hakt nach – Wie gefährlich ist Fuhlsbüttel bei Sturm?“ Und dass die „Bild“-Zeitung versucht, ihren Lesern anhand einer Grafik zu erklären, wie der Landeanflug vonstatten ging, ist grundsätzlich lobenswert.

Dummerweise ist die Grafik (siehe Ausriss) jedoch falsch.

Zwar stimmt es, dass das Flugzeug auf der Bahn 33 gelandet wurde, wie „Bild“ im Text schreibt. In der Grafik verwechselt „Bild“ jedoch die 33 mit der 15 (dieselbe Bahn, allerdings in entgegengesetzter Richtung).

Aber wer sich ein bisschen mit dem Fliegen auskennt*, dürfte sich ohnehin schon gewundert haben. Laut Grafik hätte die Crew nämlich nach dem ersten, fehlgeschlagenen Landeanflug versucht, die Maschine mit seitlichem Rückenwind zu landen. Das wäre jedoch überaus ungünstig gewesen. Ab einer bestimmten Stärke wird Rückenwind nämlich „zum Sicherheitsrisiko“.

Wir haben die Grafik mal flugs um die echte Route ergänzt:

*) Wer sich ein bisschen mehr mit dem Fliegen auskennt, kann auch an der Ausrichtung erkennen, dass die auf der „Bild“-Grafik als „Landebahn 33“ bezeichnete Landebahn gar nicht die 33 sein kann. Die 33 steht nämlich für die Flugrichtung 330 Grad, also Nordwest und nicht Südost (im Uhrzeigersinn von Norden ausgehend gemessen), wie auf der „Bild“-Grafik. Und wer sich richtig gut auskennt, der wüsste sogar, dass, anders als „Bild“ schreibt, nicht der auf der Bahn 23 vorhandene „Landekurssender“ den Piloten veranlasst haben dürfte, statt der 33 zunächst die 23 zu wählen. Einen Landekurssender hat die 33 nämlich auch. Die 23 verfügt jedoch über ein sogenanntes ILS (wovon der Landekurssender nur ein Teil ist). Informationen über alle Landebahnen und ihre Ausstattung gibt es hier.

Mit Dank an Lars H., Carsten W., Michael R. und Peter K. für den Hinweis.

Nachtrag, 5.3.2008: Na also, „Bild“ bessert heute zumindest in der Bundesausgabe noch einmal nach und zeigt eine korrekte Grafik des Landeanflugs.

Auch sonst unterscheidet sich die Berichterstattung über den „Fast-Absturz von LH 044“ zum Teil gravierend von der gestrigen. Während „Bild“ den Piloten Oliver A. gestern noch als Helden feierte („So rettete der Pilot 137 Menschen“), heißt es heute, da inzwischen bekannt ist, dass die junge Co-Pilotin geflogen ist: „Warum durfte sie im Sturm das Flugzeug steuern?“ (ähnlich online). Als Reaktion auf die ursprüngliche Berichterstattung hatten „Bild“-Leser gefordert: „Gebt dem Helden-Piloten das Bundesverdienstkreuz“. Heute schreibt „Bild“: „Nach BILD-Informationen habe es Lufthansa-intern jedoch heftige Kritik an der Entscheidung des Piloten gegeben, den Anflug durch die Co-Pilotin durchführen zu lassen.“