In eigener Sache

Zwölf mal haben wir uns in den vergangenen dreieinhalb Jahren beim Presserat über die Berichterstattung von „Bild“ beschwert. Neun Fälle hat der Presserat bisher behandelt (siehe Kasten rechts) und in keinem Fall eine Rüge ausgesprochen.

Die Axel-Springer-AG sieht in dieser „Flut“ von „kommerziellen, also sachfremd motivierten Beschwerden“ eine große Gefahr. Der „Bild“-Zeitung drohe ein „ungerechtfertigter Imageverlust“ und ein „unangemessener und schwerwiegender wirtschaftlicher Schaden* Nachteil“. Mit diesen Worten zitiert der Presserat den Verlag, der das Gremium aufgefordert hat, den „Missbrauch“ der freiwilligen Selbstkontrolle durch uns abzustellen, der auch gegen das „Wahrhaftigkeitsgebot“ verstoße. Der „Spiegel“ zitiert in seiner kommenden Ausgabe eine Juristin, die Springer berät: Es sei nicht hinnehmbar, dass Presserat und „Bild“ Aufwand betreiben müssten, um die Attraktivität und mittelbar die Einnahmen von „Bildblog“ zu steigern.

Bereits seit 2006 versucht die Chefredaktion von „Bild“ zu verhindern, dass der Presserat sich mit unseren Beschwerden befasst (wir berichteten). Die zuständigen Beschwerdeausschüsse sind der immer wieder vorgetragenen Argumentation in den einzelnen Fällen aber nicht gefolgt. Nun verlangt Springer eine Grundsatzentscheidung vom Plenum des Presserates. Dort soll die Sache am 12. März 2008 beraten werden. Bis dahin beschäftigen sich die Beschwerdeausschüsse auch nicht mehr mit den noch offenen Beschwerden von uns.

Wir verfolgen die Sorge des Axel-Springer-AG um das Wohlergehen des Presserates und die Bewahrung publizistischer Grundsätze wie dem der „Wahrhaftigkeit“ amüsiert und lassen uns gerne von der Entscheidung des Presserates überraschen*. Dass sich die „Bild“-Zeitung nicht aussuchen kann, wer sich über ihre zahlreichen Verstöße gegen journalistische Mindeststandards beim Presserat beschwert, liegt vor allem im Interesse des Presserates selbst.

*) Das „Geschäftsmodell“ von BILDblog beruht nicht auf der Verwertung eigener Presseratsbeschwerden.

 
Nachtrag, 20.2.2008: Der „Tagesspiegel“ zitiert heute einen Springer-Sprecher mit den Worten: „‚Bildblog‘ ist ein kommerzielles Unternehmen, unter diesem Aspekt sind auch die kontinuierlichen Beschwerden zu sehen.“ Gegenüber dem Branchendienst epd-medien wurde der Springer-Sprecher offenbar deutlicher: „‚Bildblog‘ handelt wie ein Abmahnverein und instrumentalisiert den Presserat für eigene kommerzielle Interessen.“ Außerdem zitiert epd-medien den Presserats-Geschäftsführer Lutz Tillmanns dahingehend, dass im Fall „Bildblog“ zumindest „Anhaltspunkte für eine missbräuchliche Verwendung des Beschwerderechts“ vorlägen.

*) Korrektur, 10.3.2008: Wir hatten an dieser Stelle (anders als in der ausführlichen Fassung) versehentlich und fälschlicherweise „Schaden“ statt „Nachteil“ geschrieben. In der aktuellen Ausgabe des „Medium Magazins“ heißt es, „Bild“-Sprecher Tobias Fröhlich habe die Zeitschrift „gern“ auf diesen Fehler hingewiesen:

Wenn die „Bildblog“-Macher schon bei „Bild“ so genau hinschauten, sollten sie doch bitte auch selbst genau arbeiten.

Nachtrag, 12.3.2008: Das Plenum des Presserats hat entschieden, dass wir den Presserat mit unseren Beschwerden nicht „missbraucht“ haben.