Enthüllt: „Bild“ kennt die Wahrheit jetzt auch

Anders als etwa bei den „Benzinkatzen“ kann man bei der „Wahrheit über den Dresdner Feuersturm“, die Jürgen Helfricht am Montag in die „Bild“-Zeitung schrieb, nicht einmal sagen, dass sie nicht wahr wäre.

Und doch ist es falsch, wenn Helfricht schreibt:

"Enthüllt!"
(…) 63 Jahre nach dem Inferno von Dresden ist endlich klar, was rund 30 000 Menschen den Tod brachte und die Stadt verwüstete. Kein Phosphorhagel, wie Augenzeugen tausendfach erzählten, sondern das noch gefährlichere Thermit! Das fand jetzt der Koblenzer Historiker Dr. Helmut Schnatz (74) heraus.

„Enthüllt“? – Was für Helfricht „jetzt“ „endlich klar“ ist, ist eigentlich seit vielen Jahren bekannt, wie man z.B. bei Spiegel Online (2005) oder in Websters „History of the Second World War“ (1961) nachlesen kann – und wie uns auf Nachfrage auch der in „Bild“ zitierte Historiker Helmut Schnatz (mit Hinweis auf den „vereinfachenden aufblasenden Stil der ‚Bild‘-Zeitung, auf den man als Befragter leider kaum Einfluß hat“) bestätigt:

Sie haben natürlich recht darin, daß der Abwurf von Stabbrandbomben mit Thermit-Füllung nichts neues ist, auch nicht auf Dresden.

Aus dem „Bild“-Archiv
"Jetzt enthüllt: Es war auch Napalm!"
So berichtete „Bild“ am 9.2.2005 über eine umstrittene Behauptung aus der ZDF-Doku „Das Drama von Dresden“. Der Historiker Schnatz nennt die damalige „Napalm“-Behauptung übrigens „Unsinn“.

Neu sei „nur“, so Schnatz, dass er eine weitere Bestätigung für die längst bekannte Thermit-Wahrheit ausfindig machen konnte. Das sei „alles ein bißchen kompliziert“.

Womöglich aber ist Helfrichts schlichte „Wahrheit über den Dresdner Feuersturm“ bloß eine verspätete Korrektur eines anderen Artikels aus seiner Feder. Schließlich hatte er am 12. Februar 2005, also fast auf den Tag genau drei Jahre vor seinem jetzigen „Enthüllt!“-Artikel, in „Bild“ geschrieben:

Eine Nacht in Dresden wurde zum deutschen Alptraum. (…) Wie glühende Lava floß Phosphor aus brennenden Häusern auf die Straße.

Mit Dank an Boerries K. für den Hinweis – und Waldemar K. für den Scan.