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Eisbär Flocke wird zur Ente

Haben Sie das auch beim Branchendienst „Kontakter“ gelesen?

Schlagersänger Patrick Lindner könnte an der Vermarktung des Nürnberger Eisbärbabys „Flocke“ mitverdienen. Der 47-jährige Volksmusikstar lässt seine Anwälte derzeit prüfen, ob er Ansprüche auf die Vermarktungserlöse mit dem Jungbären erheben kann. Lindners Anwalt Alexander Unverzagt bestätigte gegenüber dem Branchendienst Kontakter, „sich mit dem Thema Flocke intensiv zu beschäftigen“.

Dies berichtet der Kontakter in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe.

Die Ansprüche des Musikers gründen auf einem bereits 14 Jahre alten Eintrag beim Deutschen Patent- und Markenamt. Lindners damaliger Manager und Lebensgefährte Michael Link ließ dort im April 1994 die Marke „Flocke“ schützen. Link und Lindner sicherten sich damit die Nutzung für Musikaufzeichnungen, Tonträger sowie Verlagsprodukte. Nach der privaten wie beruflichen Trennung des Duos im März 2005 gingen die Rechte an Lindner über.

Nein? Haben Sie nicht gelesen? Auch nicht bei Spiegel Online? Auf RP-Online vielleicht? Bei Tagesspiegel.de, Zeit.de, Frankenpost.de, beim Branchendienst W&V? Oder gar auf Bild.de bzw. in „Bild“?

Da steht die bereits gestern veröffentlichte Exklusiv-Meldung aus dem „Kontakter“ heute nämlich auch:

"Schlagersänger besitzt Namens-Recht fürs Eisbären-Baby -- Patrick Lindner will mit Flocke abkassieren!"

Jetzt kam heraus: Der Name „Flocke“ ist schon seit Jahren geschützt. Die Rechte dafür hat der Münchner Schlagersänger Patrick Lindner (47)! (…)

Lindner und sein damaliger Lebensgefährte Michael Link (41) hatten sich bereits vor 14 Jahren „Flocke“ beim Deutschen Patent- und Markenamt schützen lassen. Damit sicherte sich das Paar die Nutzung für Musikaufzeichnungen, Tonträger und Verlagsprodukte. Lindners Manager Joachim Hendel zu BILD: „Patrick Lindners Verlag heißt schon lange ‚Flocke‘.“

Allerdings hat „Bild“ nicht nur „Kontakter“-Formulierungen und „Kontakter“-O-Töne übernommen (ohne jedoch den „Kontakter“ als Quelle zu nennen), sondern offenbar auch noch selbst recherchiert.

Genutzt hat es jedoch wenig. Im Gegenteil.

Dabei lässt sich doch leicht herausfinden, dass die Sache so gar nicht stimmen kann: Auf der Website des Deutschen Patentamts lassen sich geschützte Marken ohne großes Vorwissen ausfindig machen. (Tipp: Einfach nach Flocke suchen!) Und tatsächlich findet sich dort ein entsprechender „Flocke“-Eintrag aus dem Jahr 1994.

Vor allem aber findet sich dort zur Nummer 2076997 der Hinweis:

"Marke gelöscht am: 08.04.2004"

Interessiert hat das aber offenbar weder den „Kontakter“ noch „Bild“ (und die Medienlemminge schon gar nicht) – obwohl doch der „Kontakter“ selbst mit Lindners Anwalt gesprochen hat. Und „Bild“ immerhin mit Lindners Manager.

Und Lindners Anwalt, Alexander Unverzagt, erzählt uns die Geschichte zudem auch deutlich anders. „Es geht nicht ums ‚Abkassieren'“, so Unverzagt. Das habe er auch schon dem „Kontakter“ gesagt — und seit Erscheinen des „Bild“-Artikels auch vielen anderen Medien. („Bild“ selbst habe ihn vorab nicht kontaktiert.) Dass die Markenrechte 2004 nicht verlängert wurden, stehe außer Frage. Aber Lindner nutze nach wie vor die Geschäftsbezeichnung „Flocke“ für eine CD-Edition. Die Prüfung durch seine Kanzlei sei deshalb auch „primär keine markenrechtliche, sondern eine bezeichnungsrechtliche“. Lindner gehe es vor allem darum, dass ihm durch den Wirbel um Eisbär Flocke und die damit verbundenen vielen neuen markenrechtlichen „Flocke“-Anmeldungen beim Patentamt kein Schaden entstehe. Rechtliche Schritte gegen den Nürnberger Zoo seien momentan „nicht geplant“.

Den „Bild“-Artikel nennt Anwalt Unverzagt, der ohnehin nicht gut auf „Bild“ zu sprechen scheint, kurz „eine Unverschämtheit“.

Mit Dank an Sven P. für die Anregung.