B.Z.  

Ein Heute, das seinen Namen trägt

Als er kürzlich seinen eigenen Namen googelte, war der Schriftsteller Mischa-Sarim Vérollet vor allem über ein Suchergebnis erstaunt: In der „B.Z.“ vom 12. Januar war er unter der Überschrift „Mein Heute“ auf einen Artikel gestoßen, in dem der Schriftsteller Mischa-Sarim Vérollet beschrieb, was er an jenem Tag tun werde: In Berlin ankommen, ins Hotel einchecken und „dann dort im Café schon mal ein schönes Bierchen trinken“. Anschließend werde er sich „mit den Kollegen Volker Surmann und Katja von Kassel“ treffen, „um unsere Lese-Show für den 17.1. abzusprechen“. Danach, so ließ Vérollet die „B.Z.“-Leser wissen, werde man „noch was essen auf der Bergmannstraße – vielleicht im Knofi, mal schauen …“

Mein Heute: Mischa-Sarim Vérollet (29), AutorAllein: Mischa-Sarim Vérollet braucht kein Hotel, denn er wohnt in Berlin. Er hat am 12. Januar auch kein „schönes Bierchen“ getrunken und sich nicht mit seinen Kollegen getroffen. Stattdessen lag er krank im Bett und hatte den Text nicht einmal verfasst.

Wir haben bei der „B.Z.“ nachgefragt, ob es die Ausnahme oder die Regel sei, dass die vermeintlichen Autoren von „Mein Heute“ nicht wüssten, dass ihr angeblicher Tagesablauf in der Zeitung stehe. Chefredakteur Peter Huth erklärte uns, in „99% der Fälle“ entstünden die Texte in enger Absprache mit den Ich-Erzählern oder ihren PR-Agenten. So sei auch der Text von/über Vérollet von dessen PR-Agentur geschrieben worden.

Bei Google findet sich nichts über diese Agentur, vor allem aber hat Mischa-Sarim Vérollet noch nie von ihr gehört. Und auch sonst fand er in seinem Umfeld niemand, der seine Tagesplanung an die Zeitung weitergereicht hätte. Wessen Heute Vérollets „Mein Heute“ wirklich war, wird daher wohl ein Rätsel bleiben.

Nachtrag, 23.30 Uhr: Die „B.Z.“ beteuert, den Text von einer PR-Agentur bekommen zu haben, die behauptet, ihn nach Rücksprache mit Mischa-Sarim Vérollet verfasst zu haben. Das würde bedeuten, dass die Agentur die Zeitung getäuscht hat.

2. Nachtrag, 10. Februar: Die betreffende PR-Agentur schreibt uns, dass es zu einem Missverständnis gekommen sei und die „B.Z.“ keine Verantwortung dafür trage, dass Mischa-Sarim Vérollet nichts von seinem „Heute“ wusste. Inzwischen sei aber alles versöhnlich mit Vérollet und der „B.Z.“ geklärt.