Plumps!

BILD war 2007 die am meisten zitierte deutsche Tageszeitung! Exklusive BILD-Nachrichten aus Politik und Wirtschaft wurden im vergangenen Jahr sogar noch häufiger von anderen Blättern und TV-Sendern aufgegriffen.
(„Bild“ vom 11.01.2008)

Und wenn das Bonner Institut für Medienanalyse „Media Tenor“ Anfang 2009 sein Zitate-Ranking für das Jahr 2008 bekannt gibt, wird „Bild“ wahrscheinlich wieder ganz vorne dabei sein — und Meldungen wie die folgende vom vergangenen Freitag werden dazu beigetragen haben:

"10-Milliarden-Loch bei Krankenkassen"

Die Nachrichtenagentur dpa hatte diese Meldung noch in der Nacht zum Freitag weiterverbreitet — und zugespitzt:

Die Krankenkassen haben nach Informationen der „Bild“-Zeitung (Freitag-Ausgabe) mehr als 10 Milliarden Euro mehr Verbindlichkeiten als bislang bekannt.

Ähnlich verfuhr auch die Agentur Reuters in einer Meldung von Freitag früh:

Die Verbindlichkeiten der Krankenkassen sind der „Bild“-Zeitung zufolge mehr als zehn Milliarden Euro höher als bislang bekannt.

Zwar hatte „Bild“ ihr „10-Milliarden-Loch“ als Vorabmeldung heraus gegeben, doch dass es bislang unbekannt war,* stand im Artikel gar nicht drin. Zu Recht, muss man sagen. Denn es war spätestens seit dem 2. Februar 2007 bekannt. Damals wurde die Gesundheitsreform vom Bundestag gebilligt, und in der Debatte dazu wiesen sowohl die CDU/CSU-Bundestagsabgeordnete Annette Widmann-Mauz als auch der CDU/CSU-Abgeordnete Jens Spahn auf die fehlenden Pensionsrückstellungen der Krankenkassen hin. Mauz sagte:

Allein die Diskussion über den Verschuldensbegriff und die Insolvenzfähigkeit hat doch offenbart, wie groß das Ausmaß der Verschuldung und der nicht aufgebauten Altersrückstellungen in diesem System ist: 2 Milliarden Euro Altschulden, die in den nächsten beiden Jahren abgebaut werden müssen, und 10 Milliarden Euro nicht getroffene Pensionsrückstellungen.

Und von Spahn war zu hören:

Wir werden durch dieses Gesetz Schulden bei den gesetzlichen Krankenversicherungen abbauen und sie zwingen, Pensionen für Angestellte — entsprechende Verpflichtungen bestehen — in Höhe von 10 bis 11 Milliarden Euro aufzubauen.

Das lässt sich seither auch unproblematisch im öffentlich zugänglichen Plenarprotokoll von damals nachlesen. Insofern wies das Gesundheitsministerium also nach dem „Bild“-Bericht zu Recht darauf hin, „die Summe sei nicht überraschend, sondern seit längerem bekannt“. Da war die Diskussion allerdings schon in vollem Gange, und „Bild“ konnte sich wieder freuen, mit ihren „exklusiven BILD-Nachrichten aus Politik und Wirtschaft“ ein paar mal mehr von anderen Medien zitiert worden zu sein — auch, wenn es dafür nicht wirklich einen Grund gab.

*) Erst am Tag darauf nannte „Bild“ die fehlenden Altersrückstellungen in einem Artikel fälschlicherweise „das gestern von BILD enthüllte 10-Milliarden-Loch bei den Krankenkassen“.