Ein Wintermärchen für Roland Koch (2)

Es steht kein Wort wie „Berichtigung“ über dem Artikel; es fehlt überhaupt jeder Hinweis, dass er in irgendeiner Weise das korrigiert, was „Bild“ gestern behauptet hat (wir berichteten), aber immerhin: Der heutige Text über den Gießener Jugendlichen, der für neun Monate in Sibirien lebt, rückt einiges gerade, was „Bild“ gestern behauptet oder angedeutet hatte. Unter anderem erwähnt „Bild“ nun („BILD erfuhr, warum er wirklich nach Sibirien kam“), dass es sich um eine freiwillige Aktion handelt, und erweckt nicht mehr den Eindruck, es sei eine „Strafmaßnahme“, eine besonders strenge noch dazu. Auch der teils falsche, teils grob irreführende Artikel auf Bild.de wurde unauffällig entschärft.

Am Ende des heutigen „Bild“-Artikel kommt etwas unvermittelt noch ein Politiker zu Wort:

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) zu BILD: „Wenn Psychologen der Meinung sind, dass eine solche Maßnahme geeignet ist, den Jugendlichen von seinem Tun abzubringen, dann ist schon die Hoffnung, dass es keine weiteren Opfer gibt, den Aufenthalt wert.“

Wie schon gestern erweckt „Bild“ den Eindruck, das von Koch regierte Bundesland, in dem in zehn Tagen gewählt wird, stehe hinter der Maßnahme. Das ist gleich doppelt irreführend: Erstens ist es konkret der Landkreis Gießen. Und zweitens hat sich das Land Hessen nach den Worten von Sozialministeriumssprecher Franz-Josef Gemein aus der Finanzierung solcher erlebnispädagogischer Projekte sogar zurückgezogen.

Auch wir müssen uns korrigieren: Betreut wird der 16-Jährige, anders als wir berichtet haben, sehr wohl vom Verein „Pfad ins Leben“.