Sieben „Bild“-Kartons für Marcos Richter

Aus der Petition:
(…) Wir respektieren die Unabhängigkeit der türkischen Justiz (…). Aber ist es angemessen, dass ein Junge 222 Tage in Untersuchungshaft sitzt? (…) Finden Sie es angemessen, dass der Prozess sechs Mal vertagt wird, nur weil das Gericht über Monate auf die übersetzte Aussage von Charlotte wartet?
WIR FINDEN DAS NICHT! (…)

Am 19. November hatte die „Bild“-Zeitung ihre Leser aufgefordert, eine Petition zu unterzeichnen, in der der Richter des in der Türkei inhaftierten Marco W. aufgefordert wird, „diesen Prozess“ und die „Tortur“ Marcos zu beenden. „Bild“ hatte versprochen, alle Petitionen bei Gericht im türkischen Antalya abzugeben. Laut Angaben von „Bild“ sind 18.900 Leser dem Aufruf gefolgt. Schöne Aktion. Oder?

Marcos Anwalt Michael Nagel findet das nicht. Am Mittwoch sagte er in der Sendung „Quer gefragt“ des SWR auf die Frage, ob die Aktion von „Bild“ wenigstens eine moralische Unterstützung für Marco sei:

„Man muss wirklich unterscheiden: Dass sich die deutsche Bevölkerung so hinter Marco stellt, das ist, glaube ich jedenfalls, in meiner Wahrnehmung von Marco mittlerweile überlebenswichtig. Nichtsdestotrotz ist es schädlich, durch solche Aktionen zu versuchen, unmittelbar auf das Gericht einwirken zu wollen.“

Schade also, dass die „Bild“-Zeitung tatsächlich „Wort gehalten“ hat, wie sie heute stolz verkündet:

"Marco in der Türkei vor Gericht: 18.900 Petitionen der BILD-Leser sind da!"

Gestern Mittag, viertel vor zwölf, Schwurgericht von Antalya (Türkei). Reporter großer türkischer Zeitungen (u.a. „Hürriyet“, „Sabah“) und TV-Teams warten bereits, als ein Bote sieben große Kartons anlieferte. Es waren die 18 900 Petitionen der BILD-Leser! Familien, Vereine, ganze Schulklassen hatten einen Brief an den Richter von Marco (17) aus Uelzen, Abdullah Yildiz unterzeichnet: „Wir appelieren an Ihre Menschlichkeit … Beenden Sie diesen Prozess!“

Mit Dank an Lothar Z. für den sachdienlichen Hinweis.