… und das in den Pyramiden sind Comics

Alex von Roon ist offenbar Schauspieler. Und Bild.de-Kolumnist. Als solcher schreibt er in der Rubrik „Hollywood Intern“ beispielsweise über „Party-Nächte mit Paris & Britney“, über den „jüngsten Promi-Jäger der Welt“, über seinen „Talk mit Teri Hatcher“ oder darüber, „wo die A-Stars schlemmen“.

Kürzlich hat von Roon „Grendels nackte Mutter“ Angelina Jolie getroffen und für Bild.de ein blumiges Rührstück darüber geschrieben („Frauen verachten sie ob ihrer Schönheit, Männer folgen ihrer Aura wie Motten dem Licht“). Zu Beginn des Artikels allerdings geht’s um Fakten:

Grendel? — Dahinter verbirgt sich die Geschichte um „Beowulf“, ein Phantasie-Buch, das in Hollywood kürzlich verfilmt wurde und derzeit die amerikanischen Kinokassen klingeln lässt.

Ein „Phantasie-Buch“?! Was auch immer von Roon damit meint: Es dürfte der Tatsache nicht wirklich gerecht werden, dass es sich bei „Beowulf“ um ein vermutlich im 8. Jahrhundert entstandenes episches Heldengedicht in angelsächsischen Stabreimen mit 3.182 Versen handelt, das laut Wikipedia das „bedeutendste erhaltene Einzelwerk angelsächsischer Sprache“ ist.

Wäre von Roon nicht erst seit 2007 Bild.de-Kolumnist, er hätte womöglich über „Troja“ geschrieben, der Film basiere auf einer ollen Abenteuer-Geschichte, „Die Passion Christi“ sei eine krude Bestseller-Verfilmung und „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ eine Groschenroman-Adaption. Um die Leser nicht mit unnötiger Allgemeinbildung zu belasten.

Mit Dank an Markus S. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 1.12.2007: Bild.de-Kolumnist Alexander von Roon fühlt sich missverstanden und teilt uns mit, der „Beowulf“-Regisseur Robert Zemeckis habe basierend auf dem Heldengedicht „einen Film gedreht und selbst eingestanden, viel Phantasie bei der Umsetzung verwandt zu haben. Soviel Phantasie, dass er insgeheim hofft, die Literaturwelt mit seiner Version zu verblüffen.“ Nach von Roons Ansicht „gehören derartige Hintergründe nicht in eine Kolumne, daher die Abkürzung ‚Phantasiebuch‘.“