Lingener Tagespost, Wikileaks, Gentrifizierung

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Man muss nur die richtige Frage stellen“
(faz.net, Melanie Mühl)
Melanie Mühl spricht in der „FAZ“ von einer Kampagne gegen den von Stephanie zu Guttenberg präsidierten Verein „Innocence in Danger“: „Der Verein ‚Innocence in Danger‘ hat sich nicht geweigert, seine Zahlen zu veröffentlichen. Er hat das Interesse, dass über ihn hereingebrochen ist, einfach unterschätzt und das Ultimatum eines Journalisten nicht eingehalten. (…) Am Ende bleibt von allen Vorwürfen nichts.“

2. „Journalismus“
(robertkoop.wordpress.com)
Robert Koop sieht eine CDU-Pressemitteilung nahezu unverändert in der „Lingener Tagespost“ abgedruckt.

3. „Wikileaks“
(weltwoche.ch, Roger Köppel)
Anders als Privatpersonen haben Staaten keine schützenswerte Intimzone, findet Roger Köppel: „Es ist bizarr, wenn sich Journalisten für Geheimhaltung und Verschleierung im Namen der Staatsräson einsetzen. Menschen, Bürger, im Privatsektor tätige Unternehmer und Angestellte sind vor der Macht des Staates und der Medien im Zweifelsfall zu schützen, aber sicher nicht das Machtmonopol selber, das in Schach zu halten und zu durchleuchten die nobelste Aufgabe der Journalisten ist.“

4. „Überfordert von Transparenz?“
(notes.computernotizen.de, Torsten Kleinz)
Torsten Kleinz fragt angesichts der Medienberichterstattung zu Wikileaks: „Ist das zu viel Transparenz für uns?“: „Wo sind die Mechanismen, die echte Skandale von Banalitäten, die Hörensagen von Fakten und Recherche unterscheiden? Wo sind die Leser, die mehr lesen wollen als ihre eigene Meinung?“ Anhand einer falschen Meldung über den Schauspieler Mark Ruffalo zeigt er auf, wie mühsam erarbeitete Transparenz ignoriert wird.

5. „Instyle Men vs. Gala Men“
(klatschkritik.blog.de, Antje Tiefenthal)
„Instyle Men“ lässt James Dimon, CEO von JPMorgan Chase & Co., 13 Milliarden Euro im Jahr verdienen. „Wenn Spiegel Online die Quelle ist, kann’s nicht falsch sein, hat sich der Redakteur wohl gedacht. Ein paar Klicks mehr hätten gezeigt: Spiegel Online lässt Jamie Dimon nicht Milliarden verdienen, sondern ’nur‘ 13 Millionen Euro.“

6. „Vom Argwohn gegenüber der eigenen Saturiertheit“
(blog.dummy-magazin.de, Oliver Gehrs)
Gentrifizierung in Berlin: Oliver Gehrs fragt sich, „warum denn all diese Reporter, die dem authentischen Osten so nachweinen nicht nach drüben gehen, wie es früher bei Springer hieß. Zum Beispiel nach Schwedt an der Oder. Da gibt’s den Osten nämlich noch.“