Reichtigstellung

Sie steigt aus ihrem grünen Mini, am Kudamm. Hochhackige Stiefel, enge Lederhose, Seidenjacke mit teurem Fuchskragen drauf. Die große Handtasche ist von Yves Saint Laurent, neueste Kollektion, mindestens 1000 Euro. Ariane Röhl (40), Investment-Bankerin aus Charlottenburg, hat alles erreicht. Sie ist erfolgreich, schön, reich.

So begann „Bild“ gestern (als Teil ihrer Porträt-Serie „Berlin — Die Stadt der Gegensätze“) einen Text mit der Überschrift „Ich bin reich“. Der Investment-Bankerin gegenübergestellt war unter der Überschrift „Ich bin arm“ eine obdachlose Frau.

Und in der heutigen „Bild“ findet sich (ebenfalls auf der „Gegensätze“-Seite) eine kleine 38-Zeilen-Meldung. Unter der berückenden Überschrift: „Reichtum kommt von Herzen“ heißt es darin:

(…) Die Investment-Bankerin legt Wert darauf, dass es ihr in dem Interview, insbesondere im Vergleich zu [der obdachlosen Frau] nicht um finanziellen Reichtum ging. „Reichtum kommt von Herzen, hat überhaupt nichts mit Geld zu tun“, sagt Ariane Röhl. „(…) Wer reich aber ausschließlich auf Geld bezieht, ist im Grunde genommen ein armer Mensch.“

Aber wer tut sowas schon?