Mordsberühmt

Ein geistig verwirrter Mann soll in New York die eigene Mutter brutal ermordet haben — Alltag für Boulevard-Journalisten. Wenn der mutmaßliche Mörder dann aber auch noch ein bekannter TV-Star ist, ist es ein Fall für die Titelseite. So titelte Bild.de schon am 24. November auf der Startseite:

Und auch am Montag wieder:

Alleine: Michael L. Brea war alles andere als ein TV-Star. In seiner sehr kurzen Karriere brachte er es gerade Mal auf einen kurzen Auftritt auf dem Bildschirm. Die „New York Daily News“, aus der Bild.de ausführlich abschreibt zitiert, nennt ihn einen „bit-part actor“; also einen Schauspieler der bestenfalls ein paar Zeilen Dialog bekommen hat. Laut Associated Content war der Auftritt sogar eine „walk on appearance“ ohne jeden Dialog. Damit hatte es Brea noch nicht Mal zu einem Eintrag in der Filmdatenbank IMDB.com geschafft. Mit dem Samurai-Schwert hat er sich zumindest für Bild.de unsterblich gemacht — aber hier gilt ja schon lange die Devise: Ein Star ist man, wenn es „Bild“ passt.

In dem Bemühen, dem Mord für das deutsche Publikum irgendeine Relevanz zu verleihen, macht Bild.de die Serie „Ugly Betty“ kurzerhand zum Vorbild der deutschen Erfolgs-Soap „Verliebt in Berlin“. Wie Bild.de bereits 2006 selbst schrieb, stimmt das nicht: „Ugly Betty“ startete anderthalb Jahre nach „Verliebt in Berlin“ und stützte sich wie die deutsche Serie auf eine kolumbianische Vorlage.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.