Fliehen, floh, geflogen

„The Great Escape“ dauert satte 172 Minuten, „Papillon“ immerhin 150 Minuten, „Cool Hand Luke“ 126 Minuten, „Escape from Alcatraz“ 112 Minuten, „Down by Law“ 107 Minuten und „The Defiant Ones“ gut anderthalb Stunden. Die „Bild“-Meldung über die spektakuläre Flucht des „Ausbrecherkönigs“ Nordin Benallal aus einem belgischen Gefängnis hingegen war gestern gerade mal zehn Zeilen lang. Und zwei davon hatte „Bild“ für den Einleitungssatz verschwendet:

„Diese Flucht hätte Hollywood kaum besser inszenieren können.“

Aber so richtig happy schien „Bild“ mit der filmreifen Flucht dann doch nicht gewesen zu sein — jedenfalls nicht happy genug, um sie nicht selbst ein wenig zu… „inszenieren“:

Freunde [des „Ausbrecherkönigs“] kaperten einen Hubschrauber, zwangen den Piloten im Gefängnishof (…) zu landen. Dann entschwebten sie mit dem Verbrecher.

Hubschrubschrub… und weg also. Oder um es mit „Bild“ zu sagen:

"Ausbrecherkönig flieht mit Hubschrauber"

Wir haben keine andere Zeitung gefunden, die das behauptet — was daran liegen könnte, dass es nicht stimmt. Der Hubschrauber nämlich stürzte ab, weil sich Mitgefangene an die Kufen geklammert hatten, woraufhin der „Ausbrecherkönig“ einen Wärter als Geisel nahm, das Gefängnis zu Fuß durchs Gefängnistor verließ und mit einem Kleintransporter davonfuhr.

Auch das hätte vermutlich in eine 10-Zeilen-Meldung gepasst. Doch offenbar passt „Bild“ lieber die Wirklichkeit der Meldung an als umgekehrt.

PS: Weil der Flüchtling inzwischen wieder eingefangen wurde, hatte „Bild“ heute noch eine zweite Chance, die gestrige Meldung zumindest nebenbei richtigzustellen. Aber warum den „Bild“-Leser unnötig verwirren.

Mit Dank an Christian H. für den Hinweis.