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„Tatort Internet“ und das Recht zu schweigen

Mindestens genauso spannend wie das, was in der Zeitung steht, ist ja häufig das, was nicht in der Zeitung steht.

Aber erst mal zurück zu dem, was tatsächlich gedruckt wird:

Seit dem Start von „Tatort Internet“ berichtete „Bild“ immer wieder wohlwollend über die RTL2-Sendung. Stephanie zu Guttenberg, First Lady von „Bilds“ Gnaden und Gastmoderatorin der ersten Ausgabe, wurde für ihr Engagement gefeiert und zur „Gewinnerin“ ernannt (BILDblog berichtete mehrfach darüber).

Am 12. November vermeldete „Bild“ auf Seite 2:

„Tatort Internet“ verstößt nicht gegen Jugendschutz

München – Wichtiger Erfolg für die RTL-2-Reihe „Tatort Internet“: Die TV-Sendung verstößt nicht gegen die Jugendschutzbestimmungen! Das bestätigte die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM). Der KJM-Vorsitzende Wolf-Dieter Ring sagte, dass die Gefahren des sexuellen Missbrauchs im Internet durch diese Sendung „ein Stück weit breiter diskutiert“ und neue Zielgruppen erreicht würden.

Vergangene Woche sprach der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann bei einem Symposium der Initiative „White IT“ in Hannover mit Fachleuten von Polizei und Wirtschaft über die Bekämpfung von Kinderpornografie und Kindesmissbrauch jenseits medialer Show-Effekte. Im Rahmen der Veranstaltung wurde „Tatort Internet“ mehrfach kritisiert — so forderte die EU-Abgeordnete Sabine Verheyen (CDU) von den Medien „gehaltvolle Information“ und setzte hinzu: „Damit meine ich nicht, was in der letzten Zeit über den Äther gegangen ist“.

Die Lokalredaktion Hannover jedoch ignorierte die Veranstaltung nahezu komplett und lud Minister Schünemann zum gemeinsamen Fernsehgucken, um seine Meinung zu „Tatort Internet“ zu erfahren. Schünemanns durchaus differenzierte Antworten („Eine ehrenwerte Idee.“, „Fahndung ist Aufgabe der Polizei, nicht von TV-Reportern.“) fasste „Bild“ in der Überschrift so zusammen:

Innenminister über TV-Jagd auf Kinderschänder: "Dieser dunkle Bereich gehört ins Licht der Öffentlichkeit"

Diesen Dienstag teilte die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) mit, dass „Tatort Internet“ gegen den Rundfunkstaatsvertrag verstoßen habe: In den beiden ersten Folgen seien die potentiellen Täter nicht hinreichend unkenntlich gemacht worden, „so dass sie von ihrem sozialen Umfeld durchaus identifizierbar waren“.

Zahlreiche Medien berichteten über die Entscheidung der ZAK — in „Bild“ ist dazu nichts zu finden.

Mit Dank an a Friend.