„Bild“ versteht unsere Politiker nicht

Unter der Überschrift „Aus Sorge ums deutsche TV: Politiker fordern Deutsch-Quote gegen US-Serien“ schrieb „Bild“ gestern:

Jetzt fordern erste Politiker eine Deutsch-Quote, um heimische Produktionen zu schützen.
„Die SPD ist grundsätzlich für eine Quote für deutsche Serien im Fernsehen“, sagt Medienpolitikerin Monika Griefahn (53, SPD) zu BILD. (…) Monika Griefahn: „Wir haben das Kulturstaatsministerium deshalb gebeten, zu diesem Thema die Bundesländer an einen Tisch zu holen.“

Seit gestern schreiben das (unter Berufung auf „Bild“) u.a. auch die Agenturen AP* und ddp sowie „taz“, „Tagesspiegel“, „Hamburger Abendblatt“, DWDL.de, „Frankfurter Rundschau“, „Stuttgarter Zeitung“, „Nürnberger Zeitung“ usw. usf.**

Heute hingegen schreibt Monika Griefahn unter der Überschrift „Richtigstellung des BILD-Berichts zur TV-Quote“:

Die SPD ist NICHT grundsätzlich für eine Quote für deutsche Serien im Fernsehen. Zitate, die die BILD-Zeitung dahingehend am 17.10.2007 in meinem Namen verbreitete, entsprechen nicht der Wahrheit. Des Weiteren ist es ebenfalls nicht richtig, dass wir den Bundeskulturstaatsminister gebeten haben, zu diesem Thema die Bundesländer an einen Tisch zu holen. Aus diesen Gründen basiert der Artikel der BILD (…) weder auf meinen wahrheitsgemäßen Aussagen noch stellt er meine Position dar.

RICHTIG dagegen ist:
Nach wie vor, spreche ich mich für die stärkere Berücksichtigung von deutschsprachiger und in Deutschland produzierter populärer Musik im Rundfunk aus. (…) Wie auch der Deutsche Bundestag bereits 2004 in einem Antrag formuliert hat, fordere ich weiterhin einen runden Tisch, an dem Bund, Länder und Rundfunkveranstalter über dieses Thema sprechen und zu einer Selbstverpflichtung kommen. Dies allein war Inhalt des Gespräches mit der BILD-Zeitung.

*) Nach Veröffentlichung von Griefahns „Richtigstellung“ berichtet auch AP wieder. Die Überschrift lautet jedoch nicht etwa „Dementi“, „Korrektur“ oder „Sorry, wir hatten zuerst nicht nachgefragt, sondern bloß ‚Bild‘ geglaubt“ — sondern: „Griefahn für mehr deutsche Musik im Rundfunk“. Am Ende der Meldung, die ganz offensichtlich ausschließlich auf Griefahns „Richtigstellung“ beruht, heißt es bloß: „Griefahn (…) nahm damit Bezug auf einen Bericht der ‚Bild‘-Zeitung vom Mittwoch, in dem sie mit den Worten zitiert worden war, die SPD sei grundsätzlich für eine Quote für deutsche Serien im Fernsehen.“ [Ende der Meldung]

Mit Dank Monika G. für den Hinweis.

**) Nachtrag, 20.10.2007: Die „taz“ schreibt in ihrer heutigen Ausgabe: „Monika Griefahn, 53, Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion für Kultur und Medien, wurde falsch zitiert: Die SPD sei nicht, wie in der taz vom 18. 10. unter Bezug auf Bild berichtet, ‚grundsätzlich für eine Quote für deutsche Serien im Fernsehen‘. (…) Bild habe sie gefragt, ob bei einer Diskussion zum Thema auch eine Quote für deutsche Serien angesprochen werde. Griefahn sagte zur taz, sie habe gesagt, man könne das mitdiskutieren. Sie sei aber im Fall der Musikquote für eine Selbst-, keine Zwangsverpflichtung der Sender. Zunächst müsse die Qualität gewährleistet sein. Das gelte auch für TV-Serien.“ Und DWDL.de hat eine „Richtigstellung“ veröffentlicht.

Nachtrag, 23.10.2007: In der heutigen Korrekturspalte von „Bild“ heißt es:

Berichtigung

Zum BILD-Bericht vom 17.10. („Politiker fordern Deutsch-Quote gegen US-Serien“) legt die SPD-Medienpolitikerin Monika Griefahn Wert auf die Feststellung, dass sie nicht für eine Pflicht-Quote für deutsche Serien im TV ist. Grundsätzlich befürwortet Frau Griefahn jedoch eine stärkere Berücksichtigung deutscher Serienproduktionen.