Heino ist tot (Arbeitstitel)

Die „Bild“-Zeitung arbeitet anders als andere Medien, und manchmal erschrickt sie ein bisschen, wenn sie es selbst merkt.

Gestern hat „Bild“-Redakteur Mark Pittelkau offenbar zum ersten Mal erfahren, dass bei anderen Medien vorbereitete Nachrufe auf diverse noch sehr lebendige Persönlichkeiten bereit liegen, die sie bei einem unerwarteten Todesfall schnell veröffentlichen können. Das ist Alltag in vielen Redaktionen, auch bei der von ARD-aktuell, die die „Tagesschau“ und die „Tagesthemen“ produziert. Die Personen, die so wichtig sind, dass für sie ein Nachruf zu Lebzeiten produziert wird, stehen dort auf der „XY-Liste“. „X“ steht für Leute, bei deren Tod das Programm sofort unterbrochen wird (Bundespräsident, Kanzler), „Y“ für Menschen, die nach ihrem Tod in den „Tagesthemen“ gewürdigt werden sollen. Geheim ist die Existenz dieser Liste nicht; der „Stern“ hat 1978 schon mal alle 250 damals dort verzeichneten Namen veröffentlicht.

Jedenfalls gilt auch der Schlagersänger Heino der ARD als wichtig genug für einen Nachruf, wovon dessen Manager in diesen Tagen erfuhr. Und weil Heino, wie die „Bild“-Zeitung ausführlich berichtete, vor drei Wochen einen Zusammenbruch hatte, im Krankenhaus liegt und angeblich sogar „Todesangst“ hatte, rührte Mark Pittelkau daraus schnell einen hübschen Aufreger über die „makabere“ und womöglich „pietätlose“ Praxis der ARD an:

KRANKER VOLKSMUSIK-STAR ENTSETZT: ARD arbeitet schon an Heinos Nachruf!

„Ganz offenbar hat die Nachruf-Produktion bei der ARD Methode“, schrieb Pittelkau zutreffend, aber erstaunlich erstaunt. Und weil der zuständige NDR-Sprecher „Bild“ dazu offenbar nichts sagen wollte, zitierte Pittelkau stattdessen aus einem Eintrag von ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke im Tagesschau-Blog vor ein paar Monaten, in dem der die Praxis ausführlich erläuterte. (Trotz der schriftlichen Vorlage schaffte Pittelkau es übrigens nicht, Namen und Funktion Gniffkes korrekt abzuschreiben.)

Dafür, dass Heino „entsetzt“ ist, gibt es in „Bild“ übrigens keine Anzeichen. Er sei im Giftschrank mit den anderen vorproduzierten Nachrufen doch in bester Gesellschaft: „Ganz offensichtlich kommen da ja nur Hochkaräter rein“, sagte er laut „Bild“.

Außer Heino befinden sich dort nach unseren Informationen u.a. Madonna, Jogi Löw und sämtliche Ministerpräsidenten.

Kai Diekmann ist nicht dabei.

(Auch das Online-Medienmagazin DWDL staunt ausführlich über diesen „journalistischen Totalausfall“.)
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