Als Augenzeuge augenscheinlich ungeeignet

Unter der (womöglich gut gemeinten) Überschrift „Geschäftsleute & Kunden sauer: Rechtsextreme legen City lahm“ berichtete die „Bild“-Zeitung gestern über eine NPD-Demonstration in Düren (siehe Ausriss).

Laut „Bild“ gab es in Düren deshalb:

  • „300 Gegendemonstranten des ‚Bündnis gegen Rechts'“,
  • „180 Rechtsextreme der NPD“
  • und „fast so viel Polizei wie Rechtsextreme“.

Tatsächlich sprechen das „Bündnis gegen Rechts“ und die örtliche Presse nicht von 300, sondern von rund 1200 Gegendemonstranten — eine Zahl, der sich die Dürener Polizei auf unsere Nachfrage hin anschließt. Auch die „Bild“-Behauptung, es sei „fast so viel Polizei wie Rechtsextreme“ vor Ort gewesen, ist laut Polizei „augenscheinlich falsch“. Genaue Zahlen wollte man zwar nicht nennen, doch sprechen auch hier Gegendemonstranten, Presse und NPD übereinstimmend von ca. 1200 Polizeibeamten.

Inwiefern die Rechtsextremen (deren Route ums Stadtzentrum herum gelegt worden war) in Düren die Geschäftsleute und Kunden sauer machten und die City lahmlegten, wissen wir nicht: „Bild“ nennt keinen Beleg für diese Behauptung, Augenzeugen berichten uns das Gegenteil, und die „Dürener Nachrichten“ schrieben:

[Die Polizei] lobt ausdrücklich die Dürener Bürger, die (…) für die Einsatzmaßnahmen volles Verständnis gezeigt hätten. (…) Auch die Dürener Geschäftsleute hätten die Polizei auf vielfältige Weise unterstützt.

Dass die Dürener Innenstadt „großteils gesperrt“ war, wie „Bild“ schrieb, lag nach Polizeiangaben übrigens nicht zuletzt daran, dass Düren sich am Tag der NPD-Demo mit einem „autofreien Tag“ an einer europaweiten Aktion beteiligt hatte.

Mit Dank an Jens F. für Hinweis und Scan.