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„Bild“ am Tatort, Staatsanwalt ermittelt

Mittwochvormittag. In Worms wird ein Mann in seiner Wohnung erschossen, offenbar von einem Polizisten.

Mittwochabend. Das Siegel an der Wohnungstür, mit dem die Polizei den Tatort gesichert hat, wird von Unbekannten gebrochen.

Donnerstag. In der „Bild“-Zeitung erscheint ein großes Foto aus dem Inneren der Wohnung, das den blutverschmierten Tatort zeigt (siehe Ausriss).

Soweit die Chronologie.

Die „Wormser Zeitung“ und andere Medien berichten, dass die zuständige Staatsanwaltschaft in Mainz ein Ermittlungsverfahren wegen Siegelbruch eingeleitet habe.

Auf Nachfrage erklärt uns der Leitende Oberstaatsanwalt Klaus Puderbach heute, dass er natürlich nicht sagen könne, ob die „Bild“-Zeitung etwas mit dem unbefugten Eindringen in die Wohnung zu tun habe. Es sei aber „bemerkenswert“, dass sich die Zeitung ein Foto vom Tatort verschafft habe. „Es hätte eigentlich keine legale Möglichkeit gegeben, ein solches Foto aufzunehmen“, sagte Puderbach. Juristische Grenzen interessierten die „Bild“-Zeitung seiner Einschätzung nach bei ihrer Arbeit aber auch nicht:

„Für sie ist das, was sie machen will, Recht und Gesetz.“

Auf Anfragen bei der „Bild“-Pressestelle sowie dem „Bild“-Fotografen Gerd Nahke, wie die Zeitung in den Besitz eines Foto vom Tatort kam, das nach Ansicht der Ermittlungsbehörden praktisch nur unter illegalen Umständen entstanden sein kann, haben wir bislang keine Antworten bekommen.

Vielen Dank an Christian B.!

Nachtrag, 31. August. Nach vier Tagen und drei Anfragen haben wir eine Antwort von „Bild“-Sprecher Tobias Fröhlich erhalten. Er sagt, der Verdacht, „Bild“ habe sich illegal Zutritt verschafft oder ein unter illegalen Umständen enstandenes Foto veröffentlicht, sei falsch und fügt hinzu: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir unsere Foto- und sonstigen Informationsquellen nicht offen legen.“