Jetzt XVII

Manche Nachrichten müssen zur „Bild“-Meldung erst reifen.

Vor knapp einem Jahr, am 27. August 2006, berichtete die „Welt am Sonntag“, der Fotograf Mario Testino habe ein Haus in Berlin gekauft:

Star-Fotograf Mario Testino lebt für den Moment. Darum liebt er auch Berlin: "Die Narben, die Menschen, die Szenen auf der Straße". Nun hat sich der Peruaner, der in London lebt, seinen langen Traum von einem eigenen Haus in der Hauptstadt erfüllt: eine alte Villa, wie ein venezianischer Palast mit Riesenballsaal, um die 3000 Quadratmeter Wohnfläche, im Fischerinsel-Kiez, direkt an der Spree.

Am Tag darauf, dem 28. August 2006, freute sich die Boulevardzeitung „B.Z.“:

Testino jetzt Berliner — Willkommen in Berlin, Mario Testino (62)! Im Fischerinsel-Kiez hat sich der Star-Fotograf eine palast-ähnliche Villa gekauft (3000 Quadratmeter Wohnfläche direkt an der Spree).

Am 31. August 2006 schloss sich ein Blog des Schweizer Magazins „Cash“ an:

Die Deutsche Hauptstadt hat einen prominenten Neubürger: Starfotograf Mario Testino (…). Der gebürtige Peruaner kaufte sich eine alte Villa mit — man höre und staune und halte sich fest — 3000 Quadratmetern Wohnfläche und Spreeblick an der Fischerinsel. Sein Hauptwohnsitz bleibe aber London, bestätigte Testino, künftiger Besitzer eines Ballsaals im venezianischen Stil. Was Testino an Berlin reizt: „Die Narben und die Szenen auf der Strasse“.

Dann passierte lange, lange nichts. Außer, dass einige Medien in Nebensätzen erwähnten, dass Testino bekanntlich nun auch ein Haus in Berlin habe. Und dass unsichtbare „Bild“-Mitarbeiter im Hintergrund sicher immer wieder prüften, ob die Geschichte schon gut war für ihre Zeitung. Gestern, ein knappes Jahr später, war es endlich soweit:

Der letzte Fotograf von Lady Di wird Berliner. ... Jetzt hat der gebürtige Peruaner, der in London lebt, eine besondere Inspirationsquelle entdeckt: die deutsche Hauptstadt. Warum? "Die Narben, die Menschen, die Szenen auf der Straße", so Testino. Im Fischerinsel-Kiez direkt an der Spree hat er sich eine alte Villa gekauft. Vielmehr einen venezianischen Palast, rund 3000 Quadratmeter groß, mit riesigem Ballsaal

Der „Bild“-Artikel beginnt mit den Worten:

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, dass DER Starfotograf nach Berlin zieht (…).

Danke an Daniel B. für den Hinweis!