Papa eiskalt, Zeitung widerwärtig

In einem „Stern“-Interview kommentiert Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) das „lückenlose mediale Trommelfeuer“ nach der „Bild“-Schlagzeile „Baby mit heimlicher Geliebten!“ vom 16. Januar wie folgt:

Als Politiker wird man immer mit Privatangelegenheiten konfrontiert. Das gehört dazu. Nicht aber, dass Privates instrumentalisiert wird. Bei mir war das teilweise kampagnenartig. Ich möchte die Schlagzeile einer Ausgabe der „Bild am Sonntag“ herausgreifen: „Papa eiskalt“. Ich habe in 40 Jahren nichts Widerwärtigeres erlebt.

Wie das? Da hatte die „Bild am Sonntag“ Seehofer kurz nach der Geburt des Kindes doch bloß (1) eine Titelseite gewidmet („Nur 1 Stunde für sein Baby. Er schiebt unwichtige Termine vor. Er lässt zwei Frauen zappeln und lacht dabei“). Eine „Bild am Sonntag“-Reporterin hatte ihm vor und nach einem beruflichen Termin bloß (2) viele, viele indiskrete Fragen gestellt („Wie wollen Sie Ihr Privatleben regeln?“ — „Was sagt Ihre Frau zu der Geburt Ihrer Tochter?“ — „Verraten Sie den Namen Ihrer Tochter?“ — „Wollen Sie auch das gemeinsame Sorgerecht?“), die Seehofer zum Teil mit „(Schweigen)“ beantwortete, wie die „BamS“ dokumentierte. Unter der Überschrift „Papa Eiskalt“ war doch bloß (3) eine „BamS-Montage“ von „Seehofers Terminkalender“ abgebildet („Freitag: Telefongespräche zu Hause … 13.05 Uhr: Lufthansa-Flug LH223 nach München“). In einem Artikel hatte die „BamS“ im Zusammenhang mit Seehofer doch bloß (4) Begriffe wie „gefühlsarm“ „eiskalt“ und „joborientiert“ benutzt, weil Seehofer „fröhlich Wahlkreistermine“ wahrnehme, während „die junge Mutter Anette F. im fernen Berlin blass in einem zweckmäßig eingerichteten Einzelzimmer auf der Wöchnerinnenstation“ liege. Und in einem „BamS“-Kommentar hatte es doch bloß (5) geheißen, Seehofer habe sich am Tag der Geburt seiner Tochter hinter Terminen „verschanzt“, „seelenruhig“ zu Mittag gegessen und beim Besuch der Mutter im Krankenhaus „noch nicht einmal Blumen“ und „kein Kuscheltier“ dabeigehabt.

Wieso also „widerwärtig“? Die „Bild am Sonntag“ nannte den sichtlich angenervten Politiker doch ganz fried- und freundlich „wohlgelaunt“…