Was „Bild“ mit den Bohlen-Nacktfotos zu tun hat

"B.Z."-Titelseite mit Fotos, die Dieter Bohlen und seine Freundin Carina nackt zeigenKurze Frage: Ist es eigentlich eine Geschichte über „Bild“, dass die „B.Z.“ (die wie „Bild“ im Verlag Axel Springer erscheint) kürzlich Nackfotos von Dieter Bohlen und seiner Freundin druckte?

Kurze Antwort: Ja.
 
Lange Antwort: Ja, denn „Bild“ meldete anschließend nicht nur (wie berichtet), dass „eine Berliner Zeitung“ (gemeint war das Schwesterblatt „B.Z.“) die Fotos nicht mehr zeigen dürfe. Und „Bild“ druckte nicht nur in rund dreieinhalb Millionen Exemplare die komplette Adresse einer Internetseite, auf der die verbotenen „B.Z.“-Seiten mit den Nacktfotos (hochgeladen von einem anonymen Nutzer) zu sehen waren.

Nein, offenbar gibt es sogar einen Grund dafür, dass die Fotos überhaupt in der kleinen „B.Z.“ erschienen und nicht in der großen „Bild“: Nach unseren Informationen erfuhr Bohlen schon vor der Veröffentlichung, dass Nacktfotos von ihm und seiner Freundin gemacht worden waren und in „Bild“ erscheinen sollten. Und so gingen beim Verlag Axel Springer zwei vorbeugende einstweilige Verfügungen von Bohlens Anwalt ein, die „Bild“ den Abdruck der Fotos gerichtlich untersagten: Anscheinend mit einem enormen Teleobjektiv, aber ohne Wissen und Einverständnis der Fotografierten entstanden, verletzten sie die Intimsphäre und den geschützten Bereich der Privatsphäre Bohlens und seiner Freundin.

Und tatsächlich veröffentlichte „Bild“ die Nacktfotos nicht. Stattdessen landeten sie beim „Bild“-Schwesterblatt „B.Z.“, die sie (am selben Tag, an dem die Verfügungen bei Springer eingingen) auf dem Titel und als „Bilder des Tages EXTRA“ auf einer Doppelseite in größtmöglicher Aufmachung veröffentlichte. Und als die „B.Z.“ nach Erscheinen der Nacktfoto-Ausgabe eine Unterlassungserklärung abgegeben hatte, die Fotos nicht mehr zu zeigen, berichtete „Bild“ wie beschrieben.

Wie niederträchtig. Wir hatten deshalb allerlei Fragen an den Verlag: ob Springer gegen die immerhin urheberrechtsverletzende Veröffentlichung der „B.Z.“-Seiten im Internet vorgehen werde*, ob Springer der anonyme Nutzer, auf dessen Internetseite „Bild“ verwies, bekannt sei, ob es zu den Gepflogenheiten des Verlags gehöre, auf derart anonyme Quellen zu verweisen und warum „Bild“ zwar die komplette Internetadresse druckte, den Namen der „B.Z.“ jedoch verschwieg…

Die Antwort des Verlagssprechers Tobias Fröhlich lautete:

Von unserer Seite aus gibt es dazu nichts zu sagen.

Von unserer Seite aus schon.
 
*) Dafür, dass die faksimilierten „B.Z.“-Seiten aus dem Internetangebot entfernt wurden, sorgte nach unseren Informationen übrigens nicht Springer, sondern Bohlen.