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Wenigstens im Wein liegt Wahrheit

Wein und Journalismus eint, dass es sie in unterschiedlichen Qualitätsstufen gibt und man von schlechtem bisweilen Kopfschmerzen bekommt. Im Unterschied zum Journalismus ist die Qualität von Weinen allerdings gesetzlich geregelt.

Und damit zu „Bild“: Am Dienstag ließ Jürgen Helfricht (Experte für Sandmännchen, Wölfe und Katzenbenzin) in der Dresdner Regionalausgabe einen „mutigen Elbtal-Winzer“ „enthüllen“:

Mutiger Elbtal-Winzer enthüllt: Beim teuren Sachsen-Wein wird gepanscht

Nun schmälert den Mut des Elbtal-Winzers vielleicht ein wenig, dass er das nicht über den eigenen Wein enthüllt, sondern über die Produkte eines Konkurrenten. Und die Enthüllung ist auch nicht mehr ganz so spektakulär, wenn man weiß, dass auch dieser Konkurrent gar nicht gepanscht haben soll: Der sächsische Winzer hatte nämlich nicht etwa Zusatzstoffe wie Glykol in seinen Wein gemischt, sondern schlicht „Wein aus der Pfalz geholt“ und in Flaschen gefüllt, auf deren Etikett groß „Pfalz“ steht. Eine Praxis, die „Bild“ selbst als „legal, aber jetzt in der Kritik“ beschreibt.

Auch die Winzergenossenschaft Meißen wird angegriffen:

Die Winzergenossenschaft Meißen, die mit dem „ehrlichen Genuss“ sächsischer Weine wirbt, versteckt die Herkunft ihres „Hausweines“ namens „Winzerschoppen“ (Flasche 7,55 Euro) neuerdings schamhaft auf der Rückseite: „20 Jahre nach der Wiedervereinigung machen wir möglich, was vorher nicht ging: Die Vermählung von Weinen aus Ost und West.“ Im Klartext: Hier kauft man einen Mix, von dem man nicht weiß, wie viel Sachsen drin steckt!

Damit hat sie es sogar zum „Verlierer“ auf Seite 1 der Bundesausgabe geschafft:

Verlierer: Der Sächsische Wein hat seine Reinheit verloren. Statt des edlen und teuren sächsischen Tropfens wird immer häufiger auch Wein aus der Pfalz, Baden und Mosel mitabgefüllt. Selbst die Winzergenossenschaft Meißen, die mit dem "ehrlichen Genuss" wirbt, verkauft als "Hauswein" einen Ost-West-Mischmasch. BILD meint: Wohl zu tief ins Glas geschaut?

Doch die Reinheit des Sächsischen Weins ist nicht in Gefahr, der Skandal, den „Bild“ daraus zu konstruieren versucht, ist keiner: Die Winzergenossenschaft Meißen nennt den „Ost-West-Mischmasch“ auf ihren Etiketten nicht etwa „Sächsischen Wein“, sondern bezeichnet ihn als „Deutschen Wein“. Diese Bezeichnung sieht das deutsche Weinrecht vor für einen Verschnitt aus Trauben, die in Deutschland angebaut wurden. So erklärt es der Deutsche Raiffeisenverband in einer Pressemitteilung.

Ein „Qualitätswein aus Sachsen“ enthalte auch weiterhin „zu 100 Prozent Trauben aus dem geografisch streng abgegrenzten Gebiet Sachsen“. Aber wo wäre da die Geschichte?