Post von Diekmann

„Bild“ hatte ja jüngst — sichtlich widerwillig, aber gehorsam — eine Rüge des Presserats abgedruckt. Grund für die „Bild“-Rüge war laut Presserat Schleichwerbung für Aldi.

Und das Fachblatt „kress report“ berichtet nun von einem Brief, den „Bild“-Chef Kai Diekmann offenbar an den Presserat geschickt hat, weil „Bild“ die Aldi-Rüge „nicht nachvollziehen“ könne. Weiter heiße es in Diekmanns Brief:

Nach Vorstellung des Presserates darf nicht über Preise und Bezugsquellen eines neuen Produktes berichtet werden. Sie ziehen die Grenze des Zulässigen schon bei Angabe von Telefonnummer und Internetadresse. Jede deutsche Publikation wäre danach künftig gezwungen, den Service-Charakter ihrer Berichterstattung radikal zu beschneiden.

Beigefügt sei dem Brief an den Presserat (der angeblich kein Alleingang Diekmanns sei, sondern von vielen deutschen Chefredakteuren unterstützt werde) ein „Ordner mit 100 Seiten aus 100 aktuellen Zeitungen und Zeitschriften“. Ob „Fahrradzubehör in der ‚Süddeutschen‘, Motorradanzüge in der ‚FAZ‘, (…) die neue ICE-Strecke Frankfurt-Paris in der ‚FR‘, Osterdeko in ‚BamS‘ oder die neue H&M-Edelmarke Cos in ‚Bild‘ selbst“ — alle Artikel enthielten ebenfalls konkrete Angaben zu Anbietern, Preisen, Bestellrufnummern oder Online-URLs. Laut „kress“ hat „Bild“ zwar ausdrücklich darauf verzichtet, alle Artikel als Beschwerde einzureichen, bittet den Presserat aber um Prüfung der „eingereichten Einzelfälle“ und darum, die eigenen Standards „den aktuellen Leserbedürfnissen sowie einer modernen Wirtschaftsberichterstattung anzupassen“.

Beim Presserat, heißt es, begrüße man die „transparente Diskussion“ und verspreche, sich mit dem „interessanten Material, das unsere Spruchpraxis kritisch begleitet“, eingehend zu befassen.