Wie „Bild“ mit alten Fehlern umgeht

Weil ein „Amok-Fahrer“ gestern vor einem Gerichtsgebäude mit einer Bierflasche in der Hand fotografiert wurde zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, berichten heute verschiedene Medien noch einmal über den Unfall, bei dem der „Amok-Fahrer“ im Januar 2006 einen Berliner tödlich verletzte. Auch „Bild“ berichtet und schreibt:

Beifahrer Christian S. (31) wurde aus dem Auto geschleudert und starb vor Ort.

Direkt daneben druckt „Bild“ dann zur weiteren Illustration noch die damalige, inzwischen fast 16 Monate alte Schlagzeile:

"Betrunkener rast mit fast 100 Km/h einen Fußgänger tot"

Und so berichtete „Bild“ am 9. Januar 2006 auch:

„Dort [am Unfallort] lief gerade Christian S. (41) über die Kreuzung. Das Auto erfasste den Fußgänger. Er wurde meterweit durch die Luft geschleudert, krachte auf den Harten Asphalt. (…) Der Notarzt versuchte den Fußgänger zu reanimieren. Es klappte nicht.“

 
Seltsam, nicht wahr? Zumal heute in „Bild“ nirgends von einem toten „Fußgänger“, sondern nur vom toten „Beifahrer“ die Rede ist…

Nun ja, ein Anruf bei der Berliner Polizei klärt auf: Die „Fußgänger“-Version entsprang einer Zeugenaussage, entstammte einer Polizeimeldung, wurde damals nicht nur von „Bild“ weiterverbreitet — und hat sich erst im Nachhinein als falsch herausgestellt (und wurde anscheinend nicht korrigiert).

Worin allerdings der Sinn bestehen soll, die alte, falsche Schlagzeile ohne irgendein erklärendes Wort heute noch einmal rauszukramen und herzuzeigen, weiß wohl nur „Bild“.