Knallhart recherchiert (4)

„Bild“ hat heute eine Rüge durch den Presserat wegen Schleichwerbung abgedruckt — obwohl sie sie nach wie vor „nicht nachvollziehen“ kann.

Die Zeitung hatte am 4. Januar über die neuen Reise-Angebote von Aldi berichtet, detailliert Preise und Bestellmöglichkeiten genannt und behauptet:

Ab morgen gibt’s beim Lebensmittel-Discounter ALDI auch Urlaub! BILD hat die besten Angebote jetzt schon recherchiert.

Die „besten Angebote“ waren dabei sämtliche Angebote, und die „Recherche“ bestand mutmaßlich daraus, sie aus einer für den kommenden Tag gebuchten Aldi-Anzeige abzuschreiben. Über die Tatsache, dass Aldi Billigreisen anbieten wird, hatte „Bild“ übrigens bereits Ende 2006 zweimal berichtet und zwei Tage nach der gerügten Meldung anhand falscher Zahlen gejubelt: „Deutschland fliegt auf ALDI-Urlaub“. (Dies ist nicht Bestandteil der Rüge.)

Gegen die Entscheidung des Presserates hatte „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann heftig protestiert, und im Blatt heute ist die Erwiderung von „Bild“ länger als die Rüge selbst (siehe Ausriss). „Bild“ bleibt dabei:

Wir glauben, dass BILD-Leser sich für diese Informationen interessieren und dass es zur Aufgabe einer Zeitung gehört, darüber zu berichten.

Übrigens: In der vergangenen Woche wurde durch Recherchen der „Lebensmittelzeitung“ bekannt, dass Aldi seine „Preisgarantie“ aus dem vergangenen Herbst aufgegeben hat, die Preise von rund 200 Produkten einzufrieren („Bild“ berichtete). Darüber berichteten in den vergangenen Tagen u.a. „Spiegel Online“, „Welt“, manager-magazin.de, „Hamburger Abendblatt“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und „Berliner Zeitung“ sowie die Nachrichtenagenturen AFP und ddp.

„Bild“-Leser dagegen scheinen sich für diese Art von Informationen nach Ansicht der „Bild“-Zeitung nicht zu interessieren. Wir konnten keinen noch so kleinen Hinweis auf die Aldi-Preiserhöhungen in der „Bild“-Zeitung entdecken.

Aus dem Newsletter Nr. 12 des Deutschen Presserates

Die Rechtsabteilung der [„Bild“-]Zeitung weist den Vorwurf zurück, dem großen Anzeigenkunden [Aldi] sei eine Gefälligkeit erwiesen worden. Für den Artikel habe es einen publizistischen Anlass gegeben. Erstmals sei ein Discounter ins Reisegeschäft eingestiegen; alle Medien hätten darüber berichtet.

Und noch etwas: Nach Angaben des Presserates (siehe rechts) begründete die Rechtsabteilung von „Bild“ die Zulässigkeit des freundlichen Aldi-Werbe-Berichts ihm gegenüber damit, dass es für den Artikel einen publizistischen Anlass gegeben habe: Erstmals sei ein Discounter ins Reisegeschäft eingestiegen. Das ist falsch, und „Bild“ weiß es. Am 14. Dezember 2006 schrieb das Blatt:

Nachdem die Supermarktkette „Lidl“ am 6. Dezember mit einem Online-Reisebüro gestartet ist, zieht der Marktführer nach: Ab dem 5.1.2007 können Sie auch bei „Aldi“ Urlaub buchen!

Danke auch an Antonio und Sylvio!