Ariana Television dementiert „Bild“-Bericht

Laut der heutigen „Bild“-Zeitung haben „TV-Reporter“ des afghanischen Senders Ariana Television vor dem Bomben-Anschlag in Kundus vom Samstag vorab einen Tipp bekommen. Bei dem Anschlag wurden drei Bundeswehrsoldaten getötet. „Bild“ schreibt: „Terroristen bestellten Kameras zum Attentats-Ort“ und zitiert den Nachrichtenchef von Ariana Television, Abdul Qadeer Merzai:

„Unser Korrespondent hat vorab einen anonymen Tipp bekommen, dass dort auf dem Basar etwas passiert.“

„Spiegel Online“ ist der „Bild“-Geschichte nachgegangen und berichtet unter der Überschrift „TV-Sender dementiert Terror-Tipp der Taliban“:

Nachrichtenchef Merzai kann sich überhaupt nicht erklären, wie dieses Zitat von ihm in die Zeitung gelangte: „Das ist alles nicht richtig“, sagte er heute SPIEGEL ONLINE. Es habe keinen Tipp gegeben. (…) Er habe zwar am Sonntag mit einem deutschen Medium gesprochen, das um Informationen über den Anschlag gebeten habe, aber mit Sicherheit habe er dabei nichts von einem Tipp gesagt. (…) Auch der lokale Korrespondent des Senders in Kunduz sagte SPIEGEL ONLINE, er habe keinen Hinweis erhalten. Er sei lediglich, als er die Explosion gehört habe, zum Tatort geeilt. (…) Ein Sprecher der Bundeswehr in Kunduz sagte, man wisse ebenfalls nichts über einen angeblichen Tipp, das über Gerüchte aus der Presse hinausgehe.

Außerdem heißt es bei „Spiegel Online“:

Ein Mitverfasser der „Bild“-Geschichte, mit dem SPIEGEL ONLINE heute sprach, wollte sich nicht zu Merzais Widerspruch äußern.

P.S.: „Bild“ illustriert ihre Geschichte übrigens mit dem großen Foto eines Soldaten, der „blutüberströmt“ offenbar zwischen „umgestürzten Blechfässern, Eimern, Lampen und Töpfen“ liegt und von „Bild“ nicht unkenntlich gemacht wurde. Und es stellt sich die Frage, wie groß das öffentliche Informationsinteresse am Gesichtsausdruck des Opfers kurz nach dem Anschlag ist.