Ein April macht noch keinen Sommer

Was unsere Welt so schön macht, ist ja auch, dass die meisten Zusammenhänge dann doch ein bisschen komplexer sind, als man sich das als Laie so vorstellt, und viel komplexer, als der zuständige „Bild“-Wissenschaftslaie Paul C. Martin uns weismachen will.

Gestern zum Beispiel bezeichnete der Deutsche Wetterdienst (DWD) den Klimawandel als „Tatsache“ und stellte eine Analyse vor, wonach die durchschnittliche Temperatur in Deutschland seit 1900 um 0,9 Grad gestiegen sei. Na, und da muss man als Laie doch nur aus dem Fenster gucken und sich an das Wetter der vergangenen Wochen erinnern, um zu sagen: „Ha! Klimawandel! Da isser schon!“ Oder wie es Paul C. Martin heute groß im Seite-1-Aufmacher der „Bild“-Zeitung formuliert:

Trocken wie nie, heiß wie nie — der sonst so launische April bricht alle Rekorde! Der Klimawandel wird immer beängstigender.

Für Laien wie uns und Paul C. Martin ist halt schwer zu begreifen, dass das ungewöhnliche Wetter im April womöglich gar nichts mit der langjährigen Klimaerwärmung zu tun hat. Wir könnten ja nicht ahnen, dass wir in Deutschland, wenn der Klimawandel durchschlagen sollte, vermutlich nicht mehr, sondern weniger trockene Aprils haben werden.

Paul C. Martin, der in seinem Katastrophenszenario „Sahara Deutschland“ unbekümmert die kurzfristige Wetterbeschreibung mit den langfristigen Klimaprognosen des DWD mischt, hätte es ahnen können wissen müssen. Der DWD hat nämlich ausdrücklich darauf hingewiesen:

Eine weitere Tendenz ist der leichte Anstieg der Niederschlagsmenge um neun Prozent — vor allem im Frühling. Insofern lag der trockene Frühling 2007 nicht im Trend.

Aber gut, was soll man als Zeitung den Leuten mühsam Dinge erklären, wenn der Irrglaube soviel plausibler ist?

Danke an Frank Abel!