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„Eine furchtbare Instanz“

„Exhibitionist wird zu einer Geldbuße verurteilt“, steht heute zusammenfassend über einem Artikel in der „Frankfurter Rundschau“, in dem es weiter heißt:

Der Fall an sich ist eher lapidar, wenn auch bizarr. (…)

Das Frankfurter Landgericht verurteilt den Mann zu einer Geldbuße von 800 Euro, die er an das Frankfurter Männerzentrum zahlen muss.

Eine Geldstrafe von 2000 Euro wird zur Bewährung ausgesetzt — er muss sie nur zahlen, wenn er keine Therapie macht. Doch dazu ist er — und seine Lebenspartnerin — durchaus bereit. (…) Er bereut seine Taten und entschuldigt sich ausdrücklich bei seinen Opfern.

Dass er mit einer verhältnismäßig geringen Strafe davonkommt, hat einen Grund. Die Höchststrafe hat bereits eine andere, eine furchtbare Instanz verhängt: die Bild.
(Hervorhebung von uns.)

Denn die „Bild“-Zeitung hatte vorgestern über den Mann berichtet, hatte ein großes Foto von ihm gezeigt, seinen vollständigen Namen danebengeschrieben und ihn „TV-Moderator“ genannt, weil er gelegentlich als „Schaltgast“ im Programm eines Spartensenders aufgetaucht war. Die „Frankfurter Rundschau“ vermutet, dass „Bild“ den Mann „für eine Person des öffentlichen Interesses“ halte, und fragt, „was an dem Mann, dessen Namen kaum jemand kennt, von öffentlichem Interesse sein soll“.

Leider ist die Geschichte damit noch nicht zu Ende.

Heute nämlich berichtet „Bild“ wieder über den Mann (siehe Ausriss), nennt ihn „Börsenstar“ — und illustriert den Artikel u.a. mit einem "Der Onanierer aus dem TV"großen Foto, auf dem die Augenpartie des Mannes halbherzig verpixelt wurde. Keine 20 Zentimeter neben diesem Foto jedoch zeigt „Bild“ (und Bild.de auch) noch eines, auf dem der Mann ohne jede Unkenntlichmachung zu sehen ist und eine entwürdigende Zeichnung („So sieht der BILD-Zeichner die ‚privaten‘ Auftritte von TV-Experte [Name des ‚Börsenstars‘] — mit heruntergelassener Hose“), auf dem das Gesicht des Mannes ebenfalls wiedererkennbar ist.

Die „Frankfurter Rundschau“ schließt mit der „Erkenntnis“, dass sich bei „Bild“ offenbar „am sorglosen Vernichten von Existenzen seit Wallraff-Zeiten nichts, aber auch gar nichts geändert hat“.

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.

Mehr dazu hier und hier.