Hitlers Putschfimmel

Das Wort Hitlerputsch (bzw. Hitler-Putsch) ist nicht neu — und nicht von „Bild“ erfunden. Das Deutsche Historische Museum kennt es, das angesehene Online-Projekt Shoa.de auch, ebenso die Bayerische Staatsbibliothek in Zusammenarbeit mit der Konferenz der Landeshistoriker an den bayerischen Universitäten und der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, die Willy-Brandt-Stiftung, das Städtische Louise-Schroeder-Gymnasium in München, das NS-Dokumentationszentrum München, die Bundeszentrale für Politische Bildung und diverse Buch-Autoren. Sie alle meinen damit, was auch mein „Meyers großes Taschenlexikon in 24 Bänden“ in Band 9 (Grif – Hofg) wie folgt zusammenfasst:

Hitlerputsch, Versuch Hitlers und Ludendorffs, am 8./9. Nov. 1923 in Bayern die Macht an sich zu reißen (…).

Ähnlich kann man’s nicht nur in der Wikifehlia Wikipedia nachlesen, sondern auch wiederholt in „Bild“ — zuletzt etwa am 4. Mai 2005.

Umso überraschender, dass „Bild“ heute mit einer Überschrift aufwartet, die nicht nur Historiker mit ungläubigem Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen dürften:

Zur Erklärung: Hitlers Putschversuch wurde nicht etwa „schon“ 20 Jahre nach seiner Vereitelung geplant. Vielmehr meint „Bild“ heute mit dem „Hitler-Putsch“ den u.a. durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg versuchten Staatsstreich vom 20. Juli 1944 gegen Hitler.

Mit Dank an Uli Z., Torben W., Patrik G., Manuel B. und Kai-Oliver K.

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