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„Wegen Knut?“ fragte „Bild“ bereits gestern auf der Titelseite.

Denn just, nachdem der populäre Eisbär (wir berichteten) in einem Berliner Gehege der Öffentlichkeit präsentiert wurde, starb im selben Zoo die Pandabärin Yan Yan. Und „Bild“ schrieb:

Noch wird über die Ursache gerätselt. Starb sie wegen Knut? War es der Stress durch die plötzlich täglich 30 000 Besucher, die kommen, um Knut zu sehen?

Und eine Antwort auf die vielen Fragen gab es auch. Eine Antwort, wie man sie vermutlich nur in „Bild“ finden kann:

Die Todesursache — war es der Stress der letzten Tage? (…) BILD-Reporter hatten in den vergangenen Tagen beobachtet: „Viele Menschen, die wegen der langen Schlangen keinen Blick auf Knut werfen konnten, gingen dann zu Yan Yan. Sie wirkte verunsichert, verschüchtert.“

Wie die Obduktion ergab und der heutigen „Bild“ zu entnehmen ist, hatte die Pandabärin einen „kleinen Lebertumor“, starb aber „offiziell an Herzstillstand!“ (Bundes-Ausgabe) beziehungsweise „an einer Darmverstopfung, ihr Herz hörte einfach auf zu schlagen“ (Ausgabe Berlin-Brandenburg). Oder noch genauer: „Durch die Verstopfung gelangten Darmgifte in die Blutbahn, griffen ihr Herz an“ („Zoobiologe Dr. Ragnar Kühne“). Beziehungsweise: „Durch eine Darmverstopfung wurden giftige Stoffe nicht ausgeschieden. Eine Blutvergiftung führte dann zum Herzversagen“ („Andreas Ochs vom Berliner Zoo“).

Keine Knutitis also, sondern Ileus — „ein unglücklicher Zufall“, wie es der Zoobiologe nennt.

Wie wenig diese Wahrheit der „Bild“-Zeitung gefällt, illustriert sie in folgenden Zeilen, die über dem Yan-Yan-Artikel stehen:

"Yan Yan erlag einem Darmverschluss und hatte einen Leber-Tumor! Oder starb sie
an Eifersucht auf den beliebten Knut?"

Wer „Bild“ verstehen will, sollte dieses Satzpaar eine Weile auf sich wirken lassen.