Aufgedeckt: Wie „Bild“ den „Piano-Mann“ fand

Am vergangenen Donnerstag berichtete Jürgen Damsch, einer der Chefreporter von „Bild“, über den nunmehr 22-jährigen „Piano-Mann“ (der vor zwei Jahren weltweit Schlagzeilen machte) und druckte „das erste Foto von ihm, seitdem er aus England zurückgekehrt ist“, denn:

BILD fand ihn jetzt (…), sprach ihn auf dem Weg zur Uni an: „Wie geht es dem Piano-Mann heute?“ Er winkt ab: „Das interessiert doch niemanden mehr auf der Welt.“ Wenn er sich da mal nicht täuscht…

Der letzte Satz klingt merkwürdig — passt aber leider sehr gut zu dem, was der „Piano-Mann“ Andreas G. mit „Bild“ erlebt hat. Er hat sich bei uns gemeldet und schildert ausführlich die Vorgeschichte zum „Bild“-Artikel:

Kurz vor Weihnachten rief ein Mann, der sich als Kriminalpolizist ausgab, bei meinen Eltern an und behauptete, er müsse meine Adresse erfahren, weil ich ein Verbrechen begangen hätte. Auf Nachfrage der Eltern behauptete der Anrufer, ich sei zu schnell mit dem Auto gefahren, was die Eltern stutzig machte, weil ich gar kein Auto besitze. Ob es sich dabei um einen „Bild“-Mitarbeiter handelte, weiß ich nicht.

Anfang Januar dann tauchte jemand, der sich als „Bild“-Mitarbeiter ausgab, vor meiner Wohnung auf und wollte mit mir reden, was ich ablehnte. Am nächsten Tag stellte mir der mutmaßliche „Bild“-Mann nach und fotografierte mich.

Am Montag vergangener Woche sprach mich ein anderer Mann, aller Wahrscheinlichkeit nach Jürgen Damsch (der Autor des heutigen „Bild“-Artikels), beim Verlassen meiner Wohnung an, begleitete mich gegen meinen Willen auf meinem Weg durch die Stadt und „drohte“ mir, dass anderntags „die ganze Weltpresse“ vor meiner Tür stünde, wenn ich ihm nicht ein Interview für die „Bild“-Zeitung gäbe. Nachdem ich abermals deutlich machte, dass meinerseits an einem Interview kein Interesse bestehe, machte er ohne meine Einwilligung zahlreiche Fotos von mir, u.a. auch jenes, das in der heutigen „Bild“ abgedruckt ist.

Am darauffolgenden Dienstag hat mich der mutmaßliche „Bild“-Reporter, der offenbar auch mit meinen Vermietern gesprochen hat, gemeinsam mit einem Kollegen durch die Stadt verfolgt und einfach nur versucht, möglichst viele Fotos zu schießen. Ich habe die beiden dabei ausdrücklich, aber erfolglos darauf hingewiesen, dass ich nicht fotografiert werden möchte.

Am Mittwoch habe ich schließlich „Sicherheitsmaßnahmen“ getroffen, um keinem Reporter zu begegnen.

Falsch ist daher im „Bild“-Artikel u.a. die Behauptung, ich hätte am Vortag „um 13 Uhr“ das Haus verlassen und „um 13.15 Uhr“ im Computersaal der Uni gechattet. Ebenso stammt das Zitat am Artikelende („Ich bin sexy. Ich bin nicht arm. Ich würde sterben für den Tod.“) wie die Internetseite, auf der es zu finden war, nicht von mir.

Meine Vermieter bestreiten zudem, dass sie die Aussagen gemacht hätten, die ihnen in „Bild“ zugeschrieben werden.

Wir haben keinen Grund, an G.s Schilderung zu zweifeln.