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Unverbesserlich

Im September 2004 rügte der Presserat die „Bild“-Zeitung wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Unter der Überschrift „Sie ist die Mutter des toten Babys vom Gruselwald“ hatte „Bild“ zwei Monate zuvor über eine 15-Jährige berichtet, der vorgeworfen wurde, ihr neugeborenes Kind getötet zu haben. Illustriert hatte „Bild“ den Artikel mit einem Foto des Mädchens, das zwar gepixelt war, nach Ansicht des Presserats „jedoch trotzdem eine Identifizierung zuließ“.

Heute nun berichtet „Bild“ im Raum Rhein-Neckar unter der Überschrift „Das Horror-Geständnis der Todes-Mutter“ über eine 24-Jährige, der vorgeworfen wird, ihr neugeborenes Kind in einer Plastiktüte im Gebüsch vor einem Krankenhaus abgelegt zu haben, wo es kurz darauf verstarb. (Die Polizei fahndete deshalb in den vergangenen Tagen intensiv nach der mutmaßlichen Kindsmutter und veröffentlichte sogar ein von einer Überwachungskamera gemachtes — und vorgestern natürlich auch von „Bild“ gezeigtes — Fahndungsfoto der Frau, die sich gestern schließlich selbst stellte.) „Bild“ nennt heute jedoch nicht nur ihre Haarfarbe, Statur und Nationalität sowie Wohnort und Lebenssituation, sondern illustriert den Artikel zudem mit einem großen Paparazzifoto („die Mutter verlässt gerade das Amtsgericht Lampertheim“), das zwar mit einem schwarzen Balken über den Augen versehen ist…

… doch bereits damals, im September 2004, hatte der Presserat die „Bild“-Redaktion ausdrücklich daran erinnert, „dass Maßnahmen zur Anonymisierung einer Person auch wirksam sein müssen. So müssen Augenbalken soviel verdecken, dass eine Identifizierung über die nicht verdeckten Teile eines Gesichtes nicht möglich ist“.

Dem haben wir nichts hinzuzufügen.

Mit Dank an den Hinweisgeber.

Nachtrag, 8.3.2007: Die identifizierende Darstellung der „Todes-Mutter“ hat für „Bild“ offenbar Methode. Am 3. und 5. März sahen die entsprechenden „Bild“-Berichte, die weitere Details zum Lebensumfeld der Frau enthielten, so aus:

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