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„Bild“ und „BamS“ klauen Mohnhaupt-Fotos

Wie sieht die ehemalige RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt wohl heutzutage aus? „Bild“ wollte das gerne zeigen. Da sie aber nur uralte Fahndungsfotos von Mohnhaupt kannte, veröffentlichte „Bild“ am 17. Februar eine Art Phantom-Bild, das angeblich nach Zeugenaussagen angefertigt wurde. Dazu stellte „Bild“ die Frage: „Sieht RAF-Mohnhaupt heute so aus?“

Die „BamS“, die auch gerne zeigen wollte, wie Mohnhaupt heute aussieht, hatte einen Tag später eine andere Idee: Sie zeigte echte, ziemlich aktuelle Fotos von Mohnhaupt. Eines auf der Titelseite und ein noch größeres auf der Seite zwei (siehe Ausriss). Und am Tag darauf zeigte dann auch „Bild“ eines dieser Fotos. Beide hatten kein Recht dazu.

Die Fotos stammten aus dem „Trostberger Tagblatt“. Das hatte sie bereits am 14. Februar veröffentlicht — exklusiv. Bekommen hatte das „Tagblatt“ die Fotos von Mohnhaupts ehemaligem Gefängnisseelsorger Siegfried Fleiner, den Mohnhaupt schon seit einigen Jahren regelmäßig besuchen durfte. Das „Trostberger Tagblatt“ hatte mit Fleiner über Mohnhaupt gesprochen und in einem Artikel über das Gespräch auch die Bilder veröffentlicht. Der Redaktionsleiter des „Trostberger Tagblatts“, Karlheinz Kas, sagt uns, man habe Fleiner zugesichert, die Fotos nicht weiterzugeben. Und daran habe man sich gehalten. (Allerdings hatten weder Fleiner, noch das „Trostberger Tagblatt“ Mohnhaupt gefragt, ob sie mit der Veröffentlichung einverstanden sei).

Und trotzdem fanden sich die Fotos aus dem „Trostberger Tagblatt“ also wenig später in „Bild“ und „BamS“ (dort inklusive Fotonachweis „Trostberger Tagblatt, Privat“). „Bild“ und „BamS“ hatten die Bilder einfach „geklaut“. Deshalb geht das „Trostberger Tagblatt“ jetzt juristisch gegen den Springer-Verlag vor. Wie man uns bei der beauftragten Kanzlei Beiten Burkhardt sagt, hat Springer bereits eine Unterlassungserklärung unterschrieben, in der sich der Verlag verpflichtet, die Fotos nicht mehr zu veröffentlichen. Außerdem werde man in Kürze Schadenersatz geltend machen.

„Bild“ und „BamS“ werden es wohl verschmerzen. Voraussichtlich werden sie zwar etwas mehr zahlen müssen, als wenn sie die Fotos regulär gekauft hätten, aber das konnten sie ja nicht. Schließlich hätten weder Fleiner noch das „Trostberger Tagblatt“ „BamS“ oder „Bild“ das Einverständnis zur Veröffentlichung gegeben — wenn sie denn gefragt worden wären.