Die Wahrheit über die Wahrheit über Superstars

Allan Garnelis hat es nicht geschafft. Im Casting von „Deutschland sucht den Superstar“ ist er zwar weit gekommen, aber bei der Auswahl der besten 20 Sänger für die Liveshows hat ihn die Jury aussortiert.

Allan Garnelis hat es geschafft. In der „Bild“-Zeitung ist er heute groß auf die Seite 1 gekommen:

1. Kandidat packt aus! Die Wahrheit über Superstars: Die Finalisten stehen längst fest. Unser Jubel ist nur gespielt. Wir wurden sogar eingesperrt

Die „Wahrheit über Superstars“ fasst „Bild“ so zusammen: Beim Casting habe Garnelis erst „vor Ton-Ingenieuren vorsingen“ müssen. Im sogenannten „Recall“ mussten alle Kandidaten morgens aus dem Hotel auschecken, weil ja jeder im Laufe des Tages rausfliegen konnte — „so spart RTL Produktionskosten“, erklärt „Bild“. Weil die Freude mancher Teilnehmer „zu actionlos“ gewesen sei, hätten sich viele „auf Kommando“ noch einmal stärker freuen sollen. Und nachdem Garnelis ausgeschieden sei, habe er sich zum Heulen in eine Garderobe gesetzt, sei aber von der Kamera verfolgt worden. „Im ersten Moment dachte ich: ‚Verpisst euch‘.“

Soweit, so naja.

Wie aufregend die „Bild“-Zeitung selbst die Geschichte fand, kann man vielleicht daran ablesen, dass sie sie offenbar erst einmal liegen ließ. Das Freiburger Online-Magazin „Fudder“, auf das „Bild“ sich beruft, hat Garnelis‘ Erfahrungen schon vor drei Wochen veröffentlicht.

Dort lesen sie sich allerdings wesentlich unaufgeregter. Und die Enthüllung, dass die Finalisten schon länger feststehen, steht da gar nicht ausdrücklich, vermutlich weil das gar kein Geheimnis ist. RTL hat nie versucht zu verschweigen, dass diese Shows, wie üblich, aufgezeichnet sind. Gestern wusste das auch „Bild“ noch.

Dass die „DSDS“-Bewerber bei den Castings vor Ort nicht sofort vor der Jury singen, sondern erst von Mitarbeitern der Produktion getestet werden, ist auch keine Sensation. Bei „Popstars“ funktioniert das genauso, allein schon aus Zeitgründen.

Außerdem sagt Garnelis in „Fudder“ über den Moment nach dem Rauswurf, als die Kamera auf ihn zusteuerte:

„Der Umgang von denen war schon menschlich. Die müssen das nunmal machen. (…) Da hockt immer einer schräg unter der Kamera und stellt dir Fragen. Der war sichtlich ergriffen. Ich habe heute mehr mit den Leuten vom Team zu tun als mit den anderen Kandidaten.“

In „Bild“ war dafür kein Platz mehr.

Aber so, wie es bei „Fudder“ steht, wäre drei Wochen später vermutlich keine „Bild“-Seite-1-Geschichte mehr draus geworden.

Danke an Jörg W., Benjamin S., Timm H., Katharina M. und majestic!

PS: Bei „Spiegel Online“ liest und glaubt man „Bild“.