Erst trank sie mit den Killern Schnaps

Das Schöne an Online-Medien ist ja, dass sie permanent aktualisieren können, so dass ihre Berichte auch bei zunächst unübersichtlichen Ereignissen immer auf dem neuesten Stand sind.

Soweit die Theorie.

Bei der Gewalttat in dem Ort Tessin in Mecklenburg-Vorpommern, wo zwei Jugendliche ein Ehepaar getötet haben sollen, gab es zunächst Berichte, dass die Täter Alkohol getrunken haben könnten. Das „Hamburger Abendblatt“ berichtet heute:

Leere, am Boden liegende Alcopop-Flaschen (alkoholische Mixgetränke) lassen vermuten, dass die jungen Leute auch am Sonnabend Alkohol konsumiert haben.

Mit Vermutungen hat es die „Bild“-Zeitung nicht so. Sie schreibt deshalb heute:

Sie albern, trinken „Alcopops“ (Schnaps mit Brause).

Über dem „Bild“-Artikel steht:

Welche Rolle spielt die hübsche Blondine, die erst mit den Tätern trank und dann ihre Geisel wurde?

Und neben dem „Bild“-Artikel steht unter dem Foto jenes Mädchens:

Erst trank sie mit den Killern Schnaps — dann wurde sie ihre Geisel.

Inzwischen scheint festzustehen, dass es so nicht war. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatten die Täter keinen Alkohol im Blut.

Die „Bild“-Zeitung hätte also Grund, ihre Entscheidung zu bedauern, aus einer Vermutung eine Tatsache gemacht zu haben. Aber wenigstens kann sie die Sache ja in ihrem Online-Auftritt korrekt berichten. Und tatsächlich findet sich auf Bild.de ein weiterer Artikel mit neuen Informationen über die Gewalttat, in dem auch folgender Satz steht:

Für den Einfluss von Alkohol oder Drogen gibt es derzeit keine Anhaltspunkte.

Unmittelbar daneben ist aber leider die Geisel abgebildet. Und unter dem Foto steht was?

Erst trank sie mit den Killern Schnaps — dann wurde sie ihre Geisel.

Danke an Volker M. für den Hinweis!

Nachtrag, 16. Januar, 0.30 Uhr. Bild.de hat den Schnaps aus dem Bildtext entfernt.