„Bild“ verzählt sich bei Rechtsextremen (3)

Im vergangenen Frühjahr berichtete „Bild“, die Zahl der rechtsextremen Straftaten sei 2005 „offenbar zurückgegangen“. „Bild“ nannte sogar konkrete Zahlen, die das deutlich belegten, insbesondere für Gewaltverbrechen.

Die Meldung war bekanntlich falsch. Sowohl die Zahl der Gewalttaten als auch die der Straftaten insgesamt hat 2005 zugenommen, um jeweils rund ein Viertel. „Bild“ hatte vorläufige Zahlen von 2005 mit endgültigen von 2004 verglichen – eine unzulässige Rechnung, vor der zum Beispiel die Bundesregierung zuvor und regelmäßig ausdrücklich gewarnt hatte (siehe Kasten links). „Bild“ rechnete falsch — und die falsche Rechnung wurde von mehreren Agenturen verbreitet.

Wir hielten das Vorgehen von „Bild“ für grob fahrlässig und forderten den Presserat auf, „Bild“ zu rügen. Der Presserat sieht dazu aber keinen Anlass. Einstimmig urteilte er, dass die Zeitung die vorläufigen Zahlen als korrekt ansehen durfte. Und:

Dass es sich dabei nicht um die endgültigen Zahlen handelt, hat BILD mit der Formulierung im ersten Satz „offenbar zurückgegangen“ deutlich gemacht.

 
PS: Wir wissen nicht, wie sehr sich der Beschwerdeausschuss in seinem Urteil von der mit Unwahrheiten gespickten Stellungnahme der „Bild“-Chefredaktion hat beeindrucken lassen. Nach Angaben des Presserates gab „Bild“ u.a. zu Protokoll, „dass die Zahl der Gewalttaten mit rechtsextremistischem Hintergrund und fremdenfeindlicher Tendenz laut Verfassungsschutzbericht zurückgegangen sei“ (was nachweisbar falsch ist), dass BILDblog „mit einem niedersächsischen Bericht aus dem Vorjahr verwirre“ (was nachweisbar falsch ist) und dass sich „erst im Nachhinein herausgestellt habe“, dass das Zahlenmaterial noch einmal verändern würde (was nachweisbar falsch ist).