Gut erkennbar im Internet

Zu den inoffiziellen Einstellungsvoraussetzungen bei „Bild“ und Bild.de gehört eine ausgeprägte Ironieblindheit — also die Fähigkeit, das eigene Tun nicht mit dem, was man an anderen kritisiert, in Verbindung zu setzen. Anders könnten klassische „Bild“-Schlagzeilen im Stil von: „Diese schlimmen Fotos wollen wir nie wieder sehen“ gar nicht entstehen.

Bild.de führt den Effekt aktuell mit einer Geschichte über angebliche Datenschutz-Mängel bei „Google Street View“ vor. Ein „kurzer BILD.de-Test“ habe bewiesen, dass auf den Straßenaufnahmen, die Google für das Online-Projekt anfertigt, viele Gesichter von Passanten nicht verpixelt wurden. Nun kann man es schon ironisch finden, dass ausgerechnet der Online-Ableger von „Bild“ für das Recht am eigenen Bild kämpft, das die Zeitung sonst wie kaum jemand mit Füßen tritt.

Aber wie prangert man am besten an, dass da einfach wildfremde Menschen für jeden erkennbar gezeigt werden, ohne jede Unkenntlichmachung? Man zeigt sie, für jeden erkennbar, ohne jede Unkenntlichmachung:

Straßenszene aus London, das Gesicht des Passanten im Vordergrund (links) ist gut erkennbar, es wurde wie viele andere nicht gepixelt

Dieses Foto aus Google Street View zeigt Eisläufer vor dem Pariser Rathaus. Das Gesicht eines Kindes ist gut erkennbar

Darauf muss man erst mal kommen. Dann ist es auch kein weiter Weg mehr zu solchen Ergebnissen:

Witzige Straßenszene aus Google Street View Paris: Beide Gesichter sind gut erkennbar und nicht gepixelt

Mit Dank auch an Daniel V.