Vom Freund des Hauses zum Mann der Woche

Als „Bild“ im März, nun ja, tagelang eine Kampagne gegen den Bundestag wegen der Luxus-Pensionen führte, fragte „Bild“ den FDP-Chef Guido Westerwelle:

„Herr Westerwelle, teilen Sie die Meinung des Parlamentspräsidenten, daß BILD eine Kampagne gegen den Bundestag wegen der Luxus-Pensionen führt?“

Westerwelle antwortete:

„Davon kann ja nun wirklich keine Rede sein!“

Drei Monate später schrieb Westerwelle die erste seiner „Bild“-Kolumnen, die das Blatt seitdem immer freitags exklusiv als redaktionellen Beitrag veröffentlicht, bevor sie sich anschließend auch als Pressemitteilung auf der FDP-Website wiederfinden.

Wir lassen das mal so stehen.*

Heute nun schreibt „BamS“-Kolumnist Martin S. Lambeck über seinen „Bild“-Kollegen Westerwelle, nennt ihn „FDP-Partei- und Fraktionschef“ und: „Mann der Woche…“

Warum? Wegen Joschka Fischer. Dem Ex-Außenminister, der keine „Bild“-Kolumnen schreibt, war es kürzlich gelungen, vor Gericht 200.000 Euro „fiktive Lizenzgebühr“ zu erstreiten, weil sein Gesicht von der Zeitung „Welt kompakt“ (Lambeck nennt sie übrigens fälschlich „Die Welt“) für eine Werbekampagne verwendet worden war. Und man kann das, keine Frage, humorlos finden. Doch Lambeck schreibt:

„Ganz anders Westerwelle: Er bat die „Welt“ um einige Dutzend Postkarten mit dem netten Kindergesicht, weil ihn darauf viele Bürger angesprochen hatten. Die Karten hat Westerwelle signiert verschenkt.“
(Link von uns.)

Ach ja: Sowohl die Zeitung, deren Werbepostkarten Westerwelle signiert verschenkt, als auch die Zeitung, in der Westerwelle allwöchentlich eine Kolumne schreibt, und die Zeitung, die ihn heute zum „Mann der Woche“ macht, erscheinen alle im selben Verlag.

*) Vielleicht könnte man noch daran erinnern, dass die „Süddeutsche Zeitung“ kurz nach Westerwelles erster „Bild“-Kolumne berichtet hatte, Michael Backhaus, damals noch Mitglied der „Bild“-Chefredaktion, halte es für „falsch, eine solche Kolumne einem Parteiführer und Oppositionspolitiker zu geben“. Nur einen Monat später gab Backhaus, wie die Axel Springer AG mitteilte, „die Verantwortung für BILD (…) ab“. („Seine Vorstellung von Boulevardjournalismus, der Qualität und Seriosität nicht ausschließt, ließ sich bei ‚Bild‘ nicht umsetzen“, kommentierte der „Tagesspiegel“.) Seither arbeitet Backhaus nur noch für die „BamS“.