„Bild“ vergibt Chance auf Kollegenschelte

Hagen Boßdorf will sich „gegen ‚Bild‘ wehren“, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. „Bild“ hatte den Sportkoordinator der ARD nämlich am Donnerstag zum „Verlierer des Tages“ gemacht und über ihn geschrieben:

In einem „Zeit“-Interview verharmlost er den Blutdoping-Vorwurf gegen Radstar Jan Ulrich: „Was ist schon Doping? Wenn man sich das eigene Blut spritzt? Nee, Pillen und Spritzen, das ist Doping.“ BILD meint: Total daneben!

Boßdorf hatte aber lediglich aus der Sicht eines Sportlers sprechen wollen. Das lässt sich nachvollziehen, wenn man die vollständige Passage in der „Zeit“ kennt. Sie lautet nämlich:

„Vielleicht gerät man als Radfahrer in so ein Definitionsproblem“, sagt er schließlich. „Was ist schon Doping? (…)“

Allerdings wusste „Bild“ das wahrscheinlich gar nicht und kannte nur eine Vorabmeldung der „Zeit“, in der es heißt:

Boßdorf nimmt den unter Blutdoping-Verdacht stehenden Ullrich indirekt in Schutz: „Was ist schon Doping? (…)“

Der ursprüngliche Fehler lag also bei der „Zeit“, die Boßdorf in ihrer Vorabmeldung sinnentstellend zitiert hatte. Und insofern ist „Bild“ eigentlich kein Vorwurf zu machen. Außer dem, dass sie spätestens seit gestern weiß, was Boßdorf eigentlich gesagt hat und es heute trotzdem nicht korrigiert hat.

Mit Dank an Stefan J. für den sachdienlichen Hinweis.