Allgemein  

Schönheitschirurg lässt Nase laufen

"Polizei sucht diesen Busen"

Um die Geschichte, die die „Bild“-Autoren Attila Albert und Daniel Cremer da aufgeschrieben haben, mal kurz zusammenzufassen: Der Schönheits-Chirurg Michael A. König sagt, dass vier seiner Patientinnen ihre Schönheits-Operationen nicht bezahlt haben. Und er hat „Bild“ Fotos von Busen und Nase zweier Patientinnen zur Verfügung gestellt. „Bild“ behauptet:

Es sind die wohl ungewöhnlichsten Fahndungsbilder, die Ermittlern je untergekommen sind. Nackte Brüste und eine wohlgeformte Nase — von Frauen, die ihre Rechnung beim Schönheits-Chirurgen nicht bezahlt haben!

Nein, es sind nicht „die wohl ungewöhnlichsten Fahndungsbilder, die Ermittlern je untergekommen sind“. Es sind überhaupt keine „Fahndungsbilder“.

Und dass „Bild“ Unsinn schreibt, erkennt man schon daran, dass Busen- und Nasen-Foto vor den Operationen aufgenommen wurden. Beim Busen steht das sogar so in der Bildunterzeile. Zur Nase (siehe Ausriss) aber schreibt „Bild“:

Nicht bezahlt: Die neue Nase von „Silke“ (23) aus Köln.

Im Text heißt es hingegen über „Silke“:

Sie verschwand vor der Wundversorgung — mitsamt der Tamponaden in ihrer Nase.

Soweit das.

„Bild“-Artikel und „Bild“-Überschrift sind aber auch noch in anderer Hinsicht völliger Unsinn: Die Polizei sucht „diesen Busen“ überhaupt nicht (obwohl „Bild“ das am Ende des Textes sogar nochmal behauptet und schreibt, der Chirurg habe „jetzt die Polizei eingeschaltet“). Ein Sprecher der Kölner Polizei sagt uns, von einer Anzeige in dieser Sache sei ihm nichts bekannt, das Betrugsdezernat jedenfalls sei nicht mit dem Fall befasst. Und der betroffene Chirurg Michael A. König teilt uns auf Nachfrage mit:

Wir haben uns entschieden, keine Anzeigen zu erstatten.

Mit Dank an Jasper K. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 6.10.2006: Auch die „Main-Post“ berichtet übrigens über Michael A. Königs „Busen-Fahndung per Bild-Zeitung“.

Mit Dank an Jochen S.