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„Bild“ als Kirchenzeitung

Das, liebe „Bild“-Zeitung, ist der Martin Luther:

Der Martin Luther hat vor ein paar hundert Jahren dafür gesorgt, dass es nicht mehr nur ganz viele Katholiken gibt (also die mit dem Zölibat und dem Papst usw., kennt man ja), sondern auch Evangelen (mit weniger Schnickschnack).

Und das, liebe „Bild“-Zeitung, seid Ihr:

"Wir sind Papst!"

Und am letzten Freitag nun habt Ihr in Eurer Magdeburger Regionalausgabe einen schönen Artikel gehabt. „Hat Magdeburg bald keinen Bischof mehr?“ habt Ihr drübergeschrieben. Und: „Bischof Dr. Gerhard Feige (54) soll weg!“ Weil doch, ähm, eine Studie zur weiteren Zusammenlegung der Kirchenprovinz Sachsen mit der Landeskirche Thüringens die Stadt Erfurt als Sitz eines künftig gemeinsamen Bischofs empfiehlt — na, irgendwie so.

Und da habt Ihr bestimmt gedacht: Gottchen, der „Feige (54)“, der ist doch hier Bischof in unserm schönen Magdeburg, und jetzt soll er weg!

Soll er aber gar nicht. Denn Dr. Gerhard Feige, Sohn eines Schuhmachermeisters aus Halle und Diäzösanbischof Diözäsanbischof Diözesanbischof von Magdeburg, ist — wie Euer Chefredakteurkatholisch! In der Studie aber, über die Ihr berichtetet, liebe „Bild“-Zeitung, ging’s gar nicht um Eure katholische Kirche, sondern um die andere, die evangelische. Die hat zwar kein Zölibat und keinen Papst, aber Bischöfe hat die auch — sogar einen in Magdeburg. Noack heißt der, Axel Noack, Bischof der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen, und sieht auch ganz anders aus. Vor allem aber würde sich der Noack höchstwahrscheinlich nie mit so einem komischen Bischofsstab (auch Krummstab, Abtstab, Baculus pastoralis, Hirtenstab, Pastoralstab, Pedum oder Virga genannt) fotografieren lassen, wie sein katholischer Kollege Feige. Und trotzdem habt Ihr Eure „soll weg!“-Meldung auch noch mit so einem Feige-Foto illustriert.

Jedenfalls meldet das heute die evangelische Nachrichtenagentur epd und meint, es sei Euch da „ein schwerer Fehler unterlaufen“. Nun ja… — aber ein Fehler ist’s schon.

Mit Dank an Friederike U., Christinan B., Astrid G., Tobias K. und j1103 für den Hinweis.

Nachtrag, 17.20 Uhr: Nachdem wir uns jetzt auch den „Bild“-Artikel selbst anschauen konnten, müssen wir uns korrigieren: Da ist „Bild“ in der Tat ein schwerer Fehler unterlaufen…

Mit Dank an Karsten W. für den Scan.